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Meinung | Auf Ihr Wohl

Bodegas auf Mallorca: Steingut als i-Tüpfelchen

Der MZ-Kolumnist Jürgen Mathäß stellt die neue Bodega eines Pfälzer Önologen vor

Thomas Wambsganss – Winzer und Geschäftsführer von Bodega 65

Thomas Wambsganss – Winzer und Geschäftsführer von Bodega 65 / Bodega 65

In der mallorquinischen Weinszene ist Thomas Wambsganß kein Unbekannter. Der Pfälzer Önologe zog 2004 als Manager und Önologe von Can Vidalet nach Mallorca und war später etwa zehn Jahre lang für die Weine der Bodega Castell Miquel verantwortlich. 2015 wagte er mit dem Projekt Mandia Vell den Schritt in die Selbstständigkeit, musste es aber aus verschiedenen Gründen, die mit Entscheidungen des Verpächters zusammenhängen, wieder aufgeben. Mit der vielversprechenden Neugründung „Bodega 65, die er 2024 gestartet hat, schlägt er ein neues Kapitel auf.

Das neue Unternehmen des Pfälzers fällt auch um einiges größer aus als das bisherige. Viel überbauten Platz gibt es in den Gebäuden bei Sencelles, die Wambsganß mit einem Investor von einem russischen Speckproduzenten übernahm. Was zur Weinerzeugung nötig ist, wurde schnell investiert, damit schon ein paar 23er-Weine gefüllt werden konnten. Es bleibt aber noch einiges bei der Renovierung zu tun, unter anderem, um Besucher empfangen zu können. Viel Arbeit sieht er auch in den immerhin 14 Hektar Weinbergen, die sich beim Kauf nicht alle in einem Zustand befanden, den er sich vorstellt.

Ein Winzer mit klaren Zielen

Klare Vorstellungen hat Wambsganß nämlich. Er sieht vor allem beim Weißwein noch einigen Handlungsbedarf, weil er an der Zusammensetzung seiner angebauten Sorten – bisher nur mallorquinische - einiges ändern will: „Mit den mallorquinischen weißen Sorten kann ich nicht die Weine erzeugen, die mir vorschweben. Ich möchte vor allem für Sauvignon Blanc eine eigene Mallorca-Stilistik entwickeln.“

Damit ist der Mann mit den hochgesteckten Zielen schon ein gutes Stück vorangekommen, wie sein 2024er Sauvignon Blanc zeigt: Bei diesem hervorragenden Wein gelingt ihm das Kunststück, große Traubenreife, die sich an Aromen von gelbem Pfirsich, reifer Mango und Lychee erkennen lässt, mit der Frische und Lebendigkeit einer leicht salzigen Meeresbrise zu verbinden. Großer Respekt für den ersten Sauvignon der neuen Bodega!

Steingut

Die Steingutflaschen von Bodega 65 geben dem Wein auch optisch einen individuellen Touch. / Bodega 65

Wiedererkennungswert: Wein in Steingutflaschen

Eine Besonderheit hat Wambsganß von seiner ersten Bodega übernommen: Er füllt seine Weine in schwere Steingutflaschen. Warum? Nun ja, man könnte man sagen, es sei ein Werbegag, mit dem er sich von anderen abhebt. Aber nein, er hat auch sachliche Argumente: „In den total lichtgeschützten Flaschen reift der Wein nicht so schnell. Zweitens wird bei der Erzeugung weniger Energie verbraucht als bei Glasflaschen. Und drittens bleiben die gekühlten Flaschen wegen ihrer dicken Steingut-Wand in der Sommerhitze länger kühl als Glasflaschen.“

Ein Argument fehlt noch. Während von üblichen Flaschen, einmal geleert, nur Glasmüll bleibt, erhält man hier eine hübsche Vase. Gute Wambsganß-Kunden freilich werden dennoch nicht alle aufbewahren.

Infos

Der 2024er-Sauvignon Blanc von der Bodega 65 kostet 19,50 Euro.

www.bodega65.com

Jürgen Mathäß, Fachjournalist und Spanien-Experte, ist Autor des Buches „Mallorca & Wein“

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