Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Meinung | Strandgeflüster

Wenn das Meer mal wieder voller Teufel ist

Die MZ-Kolumnistin Jasmin Hickman kommentiert die reißerische Berichterstattung über die gestrandeten Rochen

Teufelsrochen strandet an der Playa de Palma -  Meeresschützer holen ihn aus dem Wasser

Redaktion DM

In den Gewässern vor Mallorca spielt sich seit ein paar Wochen eine Tragödie ab: Überall auf der Insel und am Festland Spaniens tauchen plötzlich Teufelsrochen am Strand auf. Eigentlich leben diese Tiere im offenen Meer, weit weg von Badegästen und Buchten. Das macht mich zutiefst traurig und beunruhigt mich sehr. Die Mitarbeiter der Fundación Palma Aquarium werden immer häufiger von Badetouristen und Lifeguards gerufen, um entkräftete Tiere von ihrem Leid zu erlösen. Retten kann man die Tiere leider nicht mehr, sie sind offensichtlich erkrankt – woran, wissen die Experten noch nicht. Die Tiere werden untersucht und hoffentlich kann der Grund für ihr Leid bald gefunden werden.

Viele Medien machen nur Schlagzeilen, anstatt zu informieren

Was mich aber mindestens genauso traurig macht, ist die Unwissenheit vieler Medien. Egal ob auf Mallorca oder in Deutschland. „Mantarochen-Alarm auf Mallorca“, schrieb das eine Zeitung jüngst auf ihrer Online-Seite. Oder: „Urlaubsschock auf Mallorca!“ In dem Zusammenhang mit den Begriffen Alarm oder Schock zu spielen, finde ich unpassend und einfach nur reißerisch. Auch diese Aussage: „Augenzeugen berichten, der Rochen sei mehrere Meter breit gewesen und nur wenige Meter von spielenden Kindern entfernt durchs seichte Wasser geglitten“, zeugt von wenig Feingefühl und spielt ebenfalls mit der unbegründeten Angst der Urlauber um ihre Kinder. Nur zur Erinnerung: Wir Menschen sind die Gäste im Meer und nicht andersherum! Liebe Redaktion des Artikels, es sind keine Mantarochen, es sind Teufelsrochen. Mantarochen kommen im Mittelmeer nicht vor und werden noch viel größer.

Teufelsrochen sind harmlose Vegetarier

Teufelsrochen sind wunderschöne und anmutige Tiere, die mit ihren flügelartigen Flossen durch den offenen Ozean gleiten. Sie tun niemandem etwas, ganz im Gegenteil. Sie ernähren sich von winzigem Plankton und haben rein gar nichts Teuflisches an sich. Sie gehören genauso wie ihre Verwandten, die Riesenmantas, zu meinen absoluten Lieblingstieren unter Wasser. Teufelsrochen haben keine Angst vor Tauchern und wirken geradezu verspielt und neugierig. Mühelos drehen sie Loopings im Wasser und lieben es, in den Luftblasen der Taucher zu baden.

Vom Aussterben bedrohte Meeresbewohner

Der Rochen, der einen Jungen am Strand mit seinem Stachel verletzt hat, war kein Manta oder Teufelsrochen, sondern ein Stechrochen. Die gibt es oft an den Küsten der Insel. Sie leben nicht im offenen Wasser, sondern am Boden, und tragen zur Verteidigung einen Stachel an ihrem Schwanz. Der Junge hat den Rochen angefasst und das Tier hat sich bedroht gefühlt. Auch wenn es verlockend ist: In der Natur herrscht die gleiche Regel wie in einem Museum: Anschauen ja, Anfassen nein! Natürlich tut es mir sehr leid für das Kind, aber es wird einfach viel zu schnell alles in einen Topf geworfen. Passt ja auch ganz gut: Riesenrochen, Schock, Angst, Teufelsrochen, Gefahr.

Ein an Mallorcas Küste angeschwemmter Pelagischer Stechrochen (undatierte Aufnahme).

Ein an Mallorcas Küste angeschwemmter Pelagischer Stechrochen (undatierte Aufnahme). / dpa

Was viel wichtiger ist: Warum sterben diese wundervollen Tiere, die eh schon vom Aussterben bedroht sind? Liegt es an dem verschmutzten Meer? Den zu hohen Wassertemperaturen und somit dem vom Menschen gemachten Klimawandel? In den Schlagzeilen geht es mal wieder nur um uns. Ich würde mir wünschen, dass die Medien keine unbegründeten Ängste schüren, sondern den Menschen die Ängste nehmen und aufklären, statt sie zu verunsichern

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents