Meinung | Unter Strom
Zwischen Aufbruch und Risiko: Warum wir über KI mehr als nur staunen sollten
KI kann uns helfen – aber sie darf nicht ersetzen, was uns menschlich macht, findet MZ-Kolumnist Markus Dold.

Symbolbild Künstliche Intelligenz / pixabay.com
Die Idee, mit einem Sprachbefehl komplexe Aufgaben zu lösen, wirkt auf den ersten Blick wie Magie. Texte, Recherche, Kundenkommunikation – alles in Sekunden erledigt. Für Unternehmer wie mich ist das verlockend. Es bedeutet Effizienz, Schnelligkeit, weniger Reibungsverluste.
Doch ich sehe auch die Schattenseite: Was passiert mit den vielen Menschen, deren Arbeitsplätze in diesen Bereichen liegen? Callcenter-Mitarbeiter, Sachbearbeiter, Texter, Übersetzer – sie alle spüren bereits jetzt den kalten Hauch der Disruption. Und nein, es ist keine Lösung, einfach zu sagen: „Dann sollen sie halt KI-Spezialisten werden.“
So funktioniert gesellschaftlicher Wandel nicht. Wenn wir nicht aufpassen, ersetzt KI nicht nur Arbeit, sondern auch Würde. Das Recht, gebraucht zu werden. Teil einer funktionierenden Gesellschaft zu sein.
Der versteckte Stromfresser: Rechenzentren mit dem Energiehunger eines Kraftwerks
Was viele vergessen: Diese Technologie ist kein Zaubertrick. Sie braucht Infrastruktur. Und zwar massiv. Ein einziges großes Rechenzentrum verschlingt bis zu 500 Megawatt – rund um die Uhr. Das ist mehr Strom als mancher Flughafen oder Industriekonzern verbraucht. Und das ist erst der Anfang.
Wenn wir also davon sprechen, KI „flächendeckend“ einzusetzen, müssen wir uns auch ehrlich fragen: Woher kommt der Strom? Einige rufen jetzt wieder nach Atomkraft – nach neuen Reaktoren oder der Wiederbelebung alter Anlagen. Ich halte das für einen gefährlichen Rückschritt.
Ich komme aus der Welt der Erneuerbaren Energien, ich investiere in Ladelösungen für E-Mobilität auf Mallorca. Ich glaube an eine nachhaltige Zukunft. Aber ich sehe auch die Realität: Der Strombedarf, den diese KI-Revolution mit sich bringt, ist kaum mit Windrädern und Solaranlagen allein zu decken – jedenfalls nicht in der Geschwindigkeit, in der wir aktuell wachsen wollen.
Braucht Mallorca KI – oder braucht KI Mallorca?
Hier auf der Insel beschäftigen wir uns mit anderen Fragen: Wie machen wir Mobilität sauberer? Wie sichern wir Energieautarkie im Sommer? Wie versorgen wir kleine Unternehmen mit smarter Technologie, ohne sie zu überfordern?
KI kann dabei helfen – aber sie muss dienen, nicht dominieren. Ich wünsche mir eine KI, die unseren Alltag ergänzt, nicht diktiert. Eine KI, die in den Dienst der Menschen gestellt wird – nicht umgekehrt. Es ist unsere Aufgabe als Unternehmer, als politische Entscheider, als Gesellschaft, diese Balance zu gestalten.
Ein Plädoyer für Mut – und Augenmaß
Ich will kein KI-Bashing betreiben. Die Chancen sind enorm. Aber was mir fehlt, ist eine ganzheitliche Debatte: über Ethik, Energie, Arbeitsmärkte, Bildung. Über Zugang und Gerechtigkeit. Es geht nicht nur darum, ob KI besser rechnet als wir – sondern ob wir bereit sind, ihre Konsequenzen wirklich zu tragen.
Wir brauchen klare Regeln. Und wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens: Was wollen wir dieser Technologie an Verantwortung übergeben – und was nicht?
Fazit: KI ist kein Feind – aber auch kein Allheilmittel
Technologie ist nur so gut wie die Menschen, die sie gestalten. Wenn wir wollen, dass KI unser Leben wirklich bereichert, dann dürfen wir nicht nur die Investitionssummen zählen – sondern auch die sozialen, ökologischen und demokratischen Kosten mit einbeziehen.
Mallorca – mit seiner Offenheit, seinem Innovationsgeist und seiner Sensibilität für Umweltfragen – kann dabei ein Labor sein. Ein Ort, an dem wir zeigen, dass Fortschritt und Verantwortung keine Gegensätze sind. Aber dafür müssen wir heute die richtigen Fragen stellen – nicht erst, wenn es zu spät ist.
Abonnieren, um zu lesen
- Warnstufe Gelb: Nach überraschend sonnigem Sonntag kommt zum Wochenstart der Regen wieder
- Hochzeitsglocken bei zwei deutschen Unternehmerdynastien: Mallorca-Hotelier heiratet BMW-Erbin
- Der Südwesten Mallorcas wird mit Luxusanwesen zugekleistert - in einem Ort brach deshalb die Straße weg
- Wetter auf Mallorca: Und der Regen prasselt immer weiter
- Ich gönn' mir das jetzt': So eine Wuchermiete zahlt Influencerin Anne Wünsche für ihr neues Mallorca-Zuhause
- Kultrestaurant in Porto Cristo zieht Reißleine: 60 Prozent der Tische werden für Mallorquiner reserviert
- "Wir werden uns heute an der Kuh vergnügen": Gruppenvergewaltiger auf Mallorca zu langjährigen Haftstrafen verurteilt
- Legalisierung zum Schnäppchenpreis: Eigentümer von Schwarzbauten fluten die Rathäuser auf Mallorca mit Anträgen
