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Meinung | KOMMENTAR

Gemüter kurz vor der Überhitzung: Wie wär's mit ein wenig Gelassenheit?

Es gibt auf Mallorca viele Gründe, sich zu empören. Doch bei manchen Themen ist das Ausmaß der Empörung diskutabel, findet MZ-Redakteurin Brigitte Rohm

Fassade der Kirche Sant Bartomeu de Sóller: Ein Urlauberpaar, das sich nachts auf dem Platz davor vergnügte, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst..

Fassade der Kirche Sant Bartomeu de Sóller: Ein Urlauberpaar, das sich nachts auf dem Platz davor vergnügte, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.. / DM

Temperaturtechnisch sind wir auf der Insel schon wieder vor dem Siedepunkt. Und auch die Debatten, die derzeit – vor allem im Netz – geführt werden, sind hitziger denn je. Die Menschen empören sich über Unzähliges zu Recht: die Folgen des Massentourismus, die Wohnungsnot. Und auch über einiges, wo zumindest das Ausmaß der Empörung diskutabel ist.

Sicher: Wenn ein Urlauberpaar sich auf dem zentralen Platz in Sóller miteinander vergnügt, zeugt das nicht gerade von Respekt gegenüber den Einwohnern. Aber dieser Vorfall geschah mitten in der Nacht, dauerte 55 Sekunden und war offenbar zumindest einvernehmlich – es handelte sich nicht um eine Vergewaltigung oder einen krankenhausreif geschlagenen Taxifahrer. Muss man das wirklich mit dem Handy filmen, verbreiten und sich darüber so sehr echauffieren, dass sogar das Rathaus sich zu einer Stellungnahme genötigt sieht?

Haushalten mit Energie und Erregung

Ja, diese Zeilen mögen ein Stück weit „Whataboutism“ sein – also der relativierende Verweis auf andere Missstände, die von einem Thema wegführen. Aber würde es uns nicht allen guttun, mit unserer Energie und Erregung ein wenig zu haushalten, nicht bei jedem Thema sofort zu explodieren wie überhitzte Dampfmaschinen?

Dass man auch mal gelassen und humorvoll reagieren kann, hat die Ortspolizei in Palma in ihren sozialen Netzwerken gezeigt, als eine Gruppe Deutscher 92 Schwimmtiere an der Playa de Palma auftürmte – und später für den guten Zweck verkaufte. „Es scheint, dass einige Gummiflamingos beschlossen haben, sich auf der Straße zu sonnen“, schrieben die Beamten, mit Zwinker-Emoji.

Spanische Übersetzung

En cuanto a la temperatura, en la isla estamos de nuevo cerca del punto de ebullición. Y también los debates que se están produciendo actualmente – sobre todo en la red – están más caldeados que nunca. La gente se indigna con razón por innumerables cosas: las consecuencias de la masificación turística, la escasez de vivienda. Y también por otras en las que el grado de indignación es más bien discutible.

Desde luego no es precisamente una muestra de respeto hacia los habitantes si una pareja de turistas se „divierte“ en medio de la plaza central de Sóller. Pero este incidente ocurrió en plena noche, duró 55 segundos y, aparentemente, fue al menos consensuado; no se trató de una violación o de un taxista golpeado hasta acabar en el hospital. ¿Es realmente necesario grabarlo con el móvil, difundirlo y sulfurarse tanto que incluso el ayuntamiento se ve obligado a emitir un comunicado?

Sí, estas líneas pueden ser un poco de „whataboutism“ – es decir, la referencia relativizadora a otros problemas que desvían la atención de un tema. Pero, ¿no nos vendría bien a todos dosificar un poco nuestra energía e indignación, para no explotar inmediatamente con cada tema como máquinas de vapor sobrecalentadas? Que también se puede reaccionar con calma y humor lo demostró la policía local en sus redes, cuando un grupo de alemanes apiló 92 flotadores en la Playa de Palma – y luego los vendió con fines benéficos. „Parece que algunos flamencos de goma decidieron tomar el sol en la vía pública“, escribieron los agentes, con un emoji de guiño.

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