Meinung | Auf einen Cortado
Zauberhaftes Cabrera - wo der Naturschutz den Tourismus begrenzt
Die MZ-Kolumnistin Sabine Belz schwärmt von der Ruhe auf der Insel Cabrera

Blick auf den Hafen von Cabrera / Sabine Belz
Sie bestimmt den Horizont der südlichen Ostküste: die Insel Cabrera. Mal scheint sie weit entfernt, mal zum Greifen nahe, vielleicht könnte man sie sogar schwimmend erreichen? An manchen diesigen Morgen schwebt sie wie eine Fata Morgana über dem Wasser, irgendwie geheimnisvoll.
Gelegentlich landen die kleinen Boote mit Migranten von der nordafrikanischen Küste dort im Glauben, Mallorca erreicht zu haben.
Gestrandet sind schon viele über die Jahrhunderte, Jahrtausende an dieser Felsenküste, zu der insgesamt 19 Inseln gehören, denn Cabrera ist keine Insel, vielmehr ein kleines Archipel, bestehend aus einer großen Insel und 18 weiteren, wobei 17 vollkommen unbewohnt sind. Sie bleiben den Seevögeln und anderer Fauna überlassen. Das Archipel ist seit gut dreißig Jahren Naturschutzgebiet und erfolgreich abgeschirmt gegen Massentourismus in jeder Form.
Eine Reise in die unberührte Natur
Die Bootsfahrt von Colònia Sant Jordi dauert 45 Minuten, es verkehren zwei Boote pro Tag mit maximal 80 Personen. Per Segelboot – je nach Wind – sind es zwei Stunden oder mehr; es gibt Bojen zum Festmachen, Ankern ist verboten, denn um Cabrera wächst das nützliche geschützte Posidònia-Seegras, das sich an der Ostküste Mallorcas besonders nach Stürmen zu hohen Halden türmt. In diesen Posidònia-Wiesen um Cabrera herum leben viele Fischarten und anderes Getier; es ist ein beliebtes Revier für Taucher, Schnorchler und Kormorane.

Die Bucht von Cabrera, im Hintergrund ist das Castell de Cabrera zu sehen. / Sabine Belz
Das Meer hier scheint noch klarer, noch transparenter, und die Luft ist vollkommen abgasfrei. Nur ein paar Baufahrzeuge, die Autos der Inselwacht und der Guardia Civil dürfen die zwei Straßen befahren, und alles wird gut bewacht. Kein „wildes“ Baden, sondern nur an den vorgesehenen Plätzen. Mitgebrachtes Essen darf nur auf dem vorgesehenen Picknickplatz verzehrt werden, Eidechsen warten schon. Außerdem herrscht ein totales Rauchverbot, ausgenommen auf der Terrasse des kleinen Restaurants am Hafen, das Getränke, Bocadillos und Tortilla bereithält.
In der Vergangenheit diente die Insel als ein natürliches Gefängnis
Diese Basis-Infrastruktur fanden die ca. 9000 französischen Kriegsgefangenen nach dem napoleonischen Krieg nicht vor. Man setzte sie auf der unwirtlichen Insel aus und versorgte sie zunächst von Mallorca aus, bis man sie vergaß. Ein Mahnmal erinnert heute daran und einige Reste ihrer steinigen, selbst errichteten Unterstände. Nach fünf Jahren konnte nur noch ein Drittel freigelassen werden. Franco nutzte Cabrera militärisch, und auch Schmuggler bedienten sich immer wieder der Insel, wie die entdeckten Verstecke bezeugen.
Der Friede, die Ruhe und die Klarheit der Luft verleiten zum Träumen: war Mallorca auch früher so? Und wie wäre es, wenn man auch hier ein striktes Naturschutzgebiet ausrufen würde? Wieder an Land verstehe ich, dass das wirklich nur ein Traum ist.
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