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Meinung

Neuer Weihnachtsmarkt in Palma: Mit Glühwein zum Titel

MZ-Kolumnist Ingo Wohlfeil kann das Gejammere rund um das Projekt zweier Österreicher nicht nachvollziehen

Nordische Weihnachtsstimmung soll auf dem neuen Markt aufkommen, wie hier in Halle/Saale. / Heiko Rebsch/dpa

Nordische Weihnachtsstimmung soll auf dem neuen Markt aufkommen, wie hier in Halle/Saale. / Heiko Rebsch/dpa

Ich dachte immer, in Deutschland wird besonders viel gemeckert. Aber Mallorca ist in dieser Hinsicht auch ziemlich weit vorne. Aktuelles Beispiel: ein neuer Weihnachtsmarkt. Da ist derzeit eine Nörgelei im Gange, die einen Unbeteiligten in Erstaunen versetzen würde. Denn Palma hat keinen Markt, der den Zusatz Christkindl verdient. Es gab immer wieder Versuche, einen Wintermarkt in Son Amar oder im Pubelo Español zu etablieren, aber keiner setzte sich durch. Dann gab es noch einen, der diesen Namen nie verdiente. Er befand sich zwischen Kathedrale und Plaça d'Espanya und bestand aus vereinzelten Churros-Buden, hie und da einem Karussell, Schmuck-Ständen und dort noch ein Kastanienstand. Ende. Das war traurig. Vor allem, weil es weit und breit keine Glühweinhütte gab, die zum Verweilen einlud. 

Über Jahre bemühten sich zwei österreichische Geschäftsmänner, das Rathaus von einem Weihnachtsmarkt an der Kathedrale zu überzeugen. Einen besseren Standort könnte es kaum geben als den Parc de la Mar. Zum einen wegen der transzendentalen Nähe, zum anderen wird diese versiegelte Fläche so gut wie für nichts genutzt. 

Zwischen Szeneviertel und Kunstmuseum

Das Rathaus gab sich dann mit dem Regierungswechsel überzeugt von der Idee und genehmigte den Parc de Sa Feixina als Veranstaltungsfläche. Der ist mit viel gutem Willen als Kathedralen-nah zu bezeichnen. Er befindet sich zwischen dem Szeneviertel Santa Catalina und dem Kunstmuseum Es Baluard in Meeresnähe, eingehegt zwischen der Avenida de l´Argentina und dem Sturzbach Torrent de Sa Riera. Die gepflegte Grünanlage hat einen Springbrunnen, ein umstrittenes Denkmal aus der Franco-Zeit und einen großen Kinderspielplatz. Ab Ende November wird Sa Feixina zudem temporäre Heimat für 61 Holzhütten. Bis zum 6. Januar gibt es Weihnachtsmann, Glühwein, Champagner, Tapas, Bratwürste, Eis, Kunsthandwerk, eine 20 Mater lange Rodelbahn und eine Schlittschuhbahn. Ach ja, Weihnachtslieder werden natürlich gespielt.

Und das ist offenbar ein Problem für die Anwohner. Die Nachbarschafts-Vereinigung Barri Civic sprach sich in der Zeitung "Ultima Hora" gegen den Weihnachtsmarkt aus. Grund: Lieder. Weihnachtslieder. Ein Anwohner wird zitiert mit den Worten: "Können Sie sich vorstellen, 45 Tage hintereinander zwölf Stunden täglich Weihnachtslieder hören zu müssen? Das hält doch niemand aus!“ 

Das klingt zuerst nach Mitgefühl mit den Weihnachtsmarkt-Mitarbeitern, ist an dieser Stelle aber triefendes Selbstmitleid. Unterstellt wird, dass die Veranstaltung zum Rock-Konzert ohne Lärmauflagen wird, einfach nur um die Anwohner fertig zu machen. Wer hingegen je einen Weihnachtsmarkt besucht hat, weiß, es handelt sich um Hintergrundbeschallung im niedrigen Dezibel-Bereich. Ein Sound, der von den umliegenden viel befahrenen Straßen geschluckt wird - abgesehen davon, dass die Catalinaer ganz andere Geräuschkulissen gewohnt sind. 

Und dann gibt es noch das Gejammer von Händlern, die dieses Jahr nicht dabei sind. Da wird von Verdrängung gesprochen, von der Privatisierung der Märkte. Diese Leute sollten sich eher mal fragen, was sie denn falsch gemacht haben in den vergangenen Jahren. Die Stadt könnte ihnen darauf eine Antwort geben, tut es aber bisher nicht. Vielleicht, um nicht in laufende Ermittlungen einzugreifen. Aber das ist reine Spekulation. 

Testlauf für was Größeres

Wenn überhaupt etwas zu kritisieren ist, dann, dass das Rathaus nicht von vornherein auf den Parc de la Mar vor der Kathedrale setzt, sondern auf den weitgehend unbekannten und für Ausländer kaum aussprechbaren Parc de Sa Feixina. Aber vielleicht stellt sich ja heraus, dass der diesjährige Markt nur eine Art Testlauf für etwas Größeres ist. Etwas, das Touristen Lust macht, auch einmal im Dezember nach Palma zu kommen. Ein über die Inselgrenzen bekannter Weihnachtsmarkt mit viel Auswahl und vielen Attraktionen mit Blick auf die Kathedrale. Das wär doch was! Das würde Palma ein kleines Stückchen näher an den Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2031“ bringen. Dafür hat sich die Stadt im Juni beworben. 

Mit Glühwein zum Titel. Ich werde diese Idee tatkräftig unterstützen. Wir sehen uns ab dem 21. November in diesem unaussprechlichen Park. 

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