Meinung
November in Cala Ratjada: Und es ward Dunkelheit - endlich
MZ-Kolumnistin Sophie Mono genießt die Ruhe der Nebensaison auf Mallorca

Cala Ratjada in der Nebensaison / Nele Bendgens
31. Oktober: Die Straßen sind voll. 1. November: Der Totentanz beginnt. Nein, nicht wegen Allerheiligen. Der Übergang vom Oktober in den November ist für Cala Ratjada ein alljährlicher Wendepunkt. Wie ein Lichtschalter. November: Klick, Licht aus. Und es ward Dunkelheit. Die Restaurants verrammelt, die Läden dicht, weite Teile der Meerespromenade am Abend wie ausgestorben. Wo keine zwei Wochen zuvor deutsche Herbstferien-Urlauber noch in Massen den warmen Mallorca-Spätsommer genossen, ist jetzt: Einsamkeit. Und sogar ein wenig Herbstwetter.
Die Spar-Supermärkte, die Souvenirshops, die Touri-Restaurants, die Hotels: Alles ist plötzlich dicht. Was bleibt, sind die Treffpunkte für die Einheimischen: Cafés mit moderaten Preisen und unstylishem Mobiliar, ein paar Läden mit lokaler Stammkundschaft und Bars, in denen nun wieder die hiesigen Sprachen vorherrschen und die Wirte wieder Zeit haben, zu plaudern. Dazu lediglich zwei, drei Gästeunterkünfte und eine Handvoll Lokale in erster Meereslinie für die spärlich gewordenen Urlauber – die plötzlich ebenfalls verändert wirken. So ist es jedes Jahr. Und doch ist es jedes Jahr aufs Neue auf eine unaufgeregte Art erstaunlich.
November ist hier kein Depri-Monat
Nicht falsch verstehen: Es gibt kaum eine Zeit, die ich mehr mag, als den November. Ja, ausgerechnet den November. Den Vorzeige-Depri-Monat schlechthin. Den ich in Deutschland nie mochte. Doch auf Mallorca ist der November anders. Im November blüht in den Kiefernwäldern das Heidekraut. Im November darf der Hund wieder an den Strand. Im November kann man Glück haben, und immer noch kurzärmlig die Sonne genießen. Oder Glück haben, und endlich mal einen Regentag haben, an dem man einfach mal auf dem Sofa bleiben kann. Nach einem endlos heißen Sommer ein Highlight. Zumal man weiß, dass das “schlechte Wetter” nie wirklich lange anhält.
November, das ist Runterkommen und Vorwärtskommen zugleich. Ja, vor allem für die Saisonkräfte – also gefühlt für mehr als jeden Zweiten hier in Cala Ratjada. Endlich wieder Zeit für Entspannen, Reisen, Putzen, Sport, Café Con Leche ohne Hetze, Ausmisten, Pläne schmieden, Freunde treffen, Kultur. Endlich wieder Zeit zum Leben. Dieser Vibe, der erreicht selbst jene wie mich, die ganzjährig arbeiten. Und er tut gut.
Bis zum nächsten Frühling
Irgendwann wird man sich sattgesehen haben. An den blinden Schaufenstern, an den verlassenen Lokalen. Irgendwann kommt sie wieder, die Lust auf ein kollektives Frühjahrserwachen. Auf die Rückkehr der Saisonarbeiter von Übersee, auf die Wiedereröffnung der Eisdielen, auf den ersten Bade-Strandtag und vielleicht sogar auf die ersten grölenden deutschen Urlaubergruppen (na ja, auf Letztere vielleicht nur ganz kurz). Weil man langsam merkt, dass dem Ort etwas fehlt, so ganz ohne Sommer-Sause. Aber im November noch nicht. Im November ist es gut, dass November ist. Und nicht Februar oder Juli.
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