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Meinung | Strandgeflüster

Liebe Zentralheizung, ich vermisse dich!

Der Winter auf Mallorca kann manchmal ganz schön nerven, findet MZ-Kolumnistin Jasmin Hickman.

Im Winter kann es auf Mallorca doch recht ungemütlich werden, besonders nachts.

Im Winter kann es auf Mallorca doch recht ungemütlich werden, besonders nachts. / Pixabay

„Der Winter auf Mallorca muss doch traumhaft sein“, höre ich immer wieder, wenn ich mit Freunden aus Deutschland telefoniere. Wenn man über Zentralheizung und doppelt verglaste Fenster verfügt, auf jeden Fall! Wir leben zurzeit in einer alten Finca. Geheizt wird traditionell mit Holz. „Ist doch total romantisch mit dem Kamin“, denken Sie jetzt vielleicht. Fand ich den ersten Winter auch, aber nach vier Jahren wünsche ich mir nichts sehnlicher, als einfach eine Heizung aufzudrehen. Man muss zwei Jahre im Voraus planen, sonst steht man da ohne Holz.

Haben Sie schon mal einen Baum gefällt, ihn klein gesägt und alles regenfest verstaut? Das ist eine Mordsarbeit! Und dann, nach einem Jahr, müssen Sie das ganze Holz noch spalten – glauben Sie mir, danach brauchen Sie nicht mehr zum Sport zu gehen.

Wenn die richtig kalten Nächte kommen, muss man durchheizen. Das bedeutet, wir teilen uns die Nacht in Schichten auf, um Holz nachzulegen. Aber selbst wenn der Kamin rund um die Uhr läuft, mehr als 21 Grad Celsius schaffen wir nicht im Wohnraum. Die Schlafzimmer bleiben kalt, so kalt, dass man im Winter manchmal den Atem sieht.

Mallorca lehrt Dankbarkeit für Dinge, die in Deutschland Standard sind

Das glauben uns die wenigsten Freunde aus Deutschland, für sie ist Mallorca die Sonneninsel mit warmen Temperaturen das ganze Jahr hindurch. Aber alle, die auf der Insel ganzjährig leben, wissen, wie kalt und ungemütlich es im Winter werden kann. Und dabei ist die Kälte gar nicht das Schlimmste, sondern die unglaubliche Feuchtigkeit. Sie kriecht überall hin. Handtücher, Pullover, Bettwäsche – alles ist klamm.  Ich habe mein ganzes Leben in Hamburg gewohnt.

Aber erst seit dem Landleben hier auf der Insel, weiß ich gewisse Dinge wirklich zu schätzen. Regenfeste Fenster zum Beispiel sehe ich jetzt nicht mehr als Selbstverständlichkeit an. Unsere Fenster in der Finca sind einfach verglast und nicht abgedichtet. Wenn es also regnet, läuft das Wasser einfach ins Haus. Jetzt kommen die Fensterläden oder Persianas ins Spiel. Nein, es sind keine reinen Zierobjekte. Neben dem Schutz vor der Sonne ist ihre Hauptaufgabe, den Regen von den Fenstern abzuhalten. Das Problem ist nur: dann ist das Haus komplett dunkel. Man lebt in einem Bunker ohne Tageslicht.

Da hilft nur Geduld und ein grundsätzlich sonniges Gemüt. Und natürlich das Wissen, dass es auf einer Insel wie Mallorca nie lange am Stück regnet und schon bald die Sonne wieder herauskommt.

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