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Meinung

Juan Carlos I. verteidigt Franco in Memoiren: Kritik an Spaniens Ex-König

Die Memoiren des Ex-Königs Juan Carlos I.: Versöhnung? Eine Sammlung verpasster Chancen findet MZ-Kolumnist Lutz Minkner, der keinerlei Verständnis für die unkritische Haltung des spanischen Altkönigs gegenüber dem Diktator Franco hat

Demonstranten tragen eine spanische Flagge mit der Aufschrift "Franco Danke" vor dem Friedhof von El Pardo-Mingorrubio, wo die Überreste des Ex-Diktators Francisco Franco gebracht wurden.

Demonstranten tragen eine spanische Flagge mit der Aufschrift "Franco Danke" vor dem Friedhof von El Pardo-Mingorrubio, wo die Überreste des Ex-Diktators Francisco Franco gebracht wurden. / Javier Carbajal/dpa

Just zum 50. Todestag des spanischen Diktators General Francisco Franco erscheinen die Memoiren des ehemaligen spanischen Königs Juan Carlos I unter dem Titel „Versöhnung“. Der Titel ließ hoffen. Würde der Ex-König die Gelegenheit des historischen Rückblicks nutzen, ein immer noch im Dunkeln liegendes Kapitel der spanischen Geschichte kritisch zu analysieren und einen Schritt der Versöhnung zu den Opfern der Franco-Diktatur zu machen? Weit gefehlt. Im Gegenteil. Juan Carlos rühmt den „Caudillo“ (Führer) Franco mit den Worten „Ich habe ihn außerordentlich respektiert, seine Intelligenz und seinen politischen Instinkt geschätzt“ und „Ich habe niemals zugelassen, dass ihn jemand vor mir kritisiert“, lobt er Franco, der 1936 mit einem Militärputsch den spanischen Bürgerkrieg auslöste und von 1939 bis zu seinem Tod 1975 Spanien als Diktator führte.

Die Aufarbeitung der Franco-Zeit verlief schleppend

Während seiner Herrschaft unterdrückte Franco Autonomiebestrebungen, ließ Hunderttausende von politischen Gegnern gefangen nehmen, foltern, hinrichten, verscharren und sperrte etwa 1,5 Millionen Gegner in Konzentrationslager ein. Auch nach dem 2. Weltkrieg blieb er dem Faschismus treu, führte in Nordafrika zwei Kolonialkriege und regierte Spanien mit harter, diktatorischer Hand. Nach dem Tode Francos wurde Juan Carlos I. inthronisiert. Unter ihm galt „der Pakt des Vergessens“, und es begann ein mühevoller Gang zur Demokratie. Die fast 40-jährige Herrschaft Francos wurde in Spanien nie ernsthaft und in Ansätzen erst in den 2000er Jahren aufgearbeitet. Erst 2005 wurde z. B. in Madrid die sieben Meter hohe Franco-Statue entfernt. Im selben Jahr wurde begonnen, Menschenrechtsverletzungen der Franco-Ära aufzuklären und Franco-Opfer zu rehabilitieren. Erst 2009 wurden ihm alle Ehrentitel aberkannt und 2017 beschloss Madrid, 52 Straßen und Plätze, die einen Bezug zu Franco hatten, umzubenennen.

Weiterhin viele Anhänger in Teilen der spanischen Bevölkerung

Dennoch halten eine Stiftung und viele damalige Getreue das Ansehen von Franco aufrecht. Hier liegen auch die Ursachen für den tiefgreifenden Spalt zwischen den spanischen rechten und linken Parteien. Der Streit zwischen den Parteien entflammt zurzeit neu bei der Aufarbeitung der Verbrechen des spanischen Bürgerkrieges und der Bemühungen von Familien der Opfer, Massengräber zu finden, die Opfer zu identifizieren und den Familien zur Bestattung in den Familiengräbern zu übergeben. „Ich (Juan Carlos I.) habe niemals zugelassen, dass ihn (Franco) jemand kritisiert.“ Der Ex-König zeigt, dass er die fast 40 Jahre seiner Regierung und die Zeit im Exil nicht genutzt hat, sich mit der Geschichte seines Landes auseinanderzusetzen und daran mitzuwirken, erste Schritte zu tun, die gespaltene Gesellschaft zu vereinen. „Versöhnung“ heißen seine Memoiren. Thema verfehlt!

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