Meinung | Auf Ihr Wohl
Die Wein-Kolumne: Hundertjährige Tradition bei Bodegas Miquel Oliver
MZ-Kolumnist Jürgen Mathäß über das mallorquinische Familien-Weingut in Petra

Die Gebäude der Miquel Oliver Bodegas liegen inmitten von Weinstöcken. / Miquel Oliver Bodegas
So gefällt uns Mallorca als Wein-Insel: Im hübschen Verkaufsladen der Bodegas Miquel Oliver kann man nicht nur einkaufen (ab sechs Flaschen gibt’s Rabatt). Man kann sich auch das große Angebot des Hauses auf Deutsch erklären lassen, ein Gläschen zum Trinken aussuchen oder sich gleich eine kleine Weinprobe gönnen. Dann setzt man sich draußen an einen der Tische mit Blick auf die Berge und genießt die Ruhe. Auf Voranmeldung gibt es Weintouren, an denen sogar Kinder ihren Spaß haben, wenn sie die bunt bemalten Tanks der Kellerei sehen oder lustige Geschichten erzählt bekommen. Die neue Bodega der Familie Oliver ist erst etwas über 10 Jahre alt. Weinbau betreibt die Familie jedoch seit mehr als 110 Jahren. Wegen des vielen Auf und Ab des Inselweines können nur sehr wenige Familien auf vier Generationen Weinbau zurückblicken. Chefin Pilar Oliver weiß ganz genau, dass ihr Urgroßvater schon 1912 Reben angebaut und, wie es damals üblich war, seinen Wein offen an Restaurants und private Kunden verkauft hat. Die alte Bodega im Zentrum von Petra ist noch vorhanden. Man kann sie besichtigen. „Einige unserer beliebten Weintouren beginnen dort“, erklärt Pilar.
Die Deutschen bevorzugten Weißweine
In den 60er Jahren hat der Vater begonnen, Wein auf Flaschen zu füllen. „Anfangs“, erzählt Pilar, „war es zu 80 Prozent rosado. Das hat in Mallorca Tradition und passt zu den autochthonen roten Sorten. Erst als die Deutschen kamen, wollten sie auch Weißwein trinken. Unseren ersten Weißen gab es 1991 – einen Moscatel.“ Der duftige, kristallklar-trockene Moscatel ist inzwischen einer von einem guten Dutzend verschiedener Weine. Wie alle Weißweine der Bodega besticht er durch Brillanz und kristallklare Aromen, was im Klima Mallorcas keine Selbstverständlichkeit ist. Dafür braucht man neben der modernen Kellerei, die bei Gärung und Lagerung Aroma schonend arbeiten kann, auch das richtige Händchen. Pilar überredete den heute über 90 Jahre alten Vater, sich einen Traum zu erfüllen und inmitten der Weinberge die neue Bodega zu bauen, die heute Anlaufpunkt für viele Besucher ist.
Die mallorquinischen Rebsorten werden wichtiger
Rosado gibt es natürlich immer noch, doch Weiß- und Rotwein sind wichtiger geworden. Bei den Rebsorten verschiebt sich das Pendel immer mehr in Richtung mallorquinischer Sorten. „Die autochthonen Sorten passen sich dem trocken-heißen Klima sehr gut an“, weiß Pilar. Bestes Beispiel ist der samtig-feine Callet "xperiment“ aus uralten Reben, einer der besten seiner Art auf der ganzen Insel. Aber natürlich gibt es auch kräftigere Rote, ganz oder teilweise aus internationalen Sorten. Ein sehr gelungenes Beispiel ist der angenehm gereifte 2021er "Ses Ferritges" aus Callet, Merlot, Syrah und Cabernet-Sauvignon. Der harmonische Rote zeigt im Duft reizvolle, "klassisch spanische“ Würzaromen von Zimt und Leder neben der reifen, kirschigen Frucht. Würze und feine Säure halten ihn auch im Nachhall erstaunlich frisch. Der nicht zu schwere Wein passt wunderbar zu allen kräftigen Fleischgerichten, aber auch zu Pizza oder Coca.
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist, Spanien-Experte und Autor des Buches „Mallorca & Wein“.
Der Wein
2021 Ses Ferritges, Flasche: 13,25 Euro
Bodegas Miquel Oliver
Carretera de Petra Santa Margalida, km 1,8
Petra
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