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Meinung

Abschaffung des Arabisch-Unterrichts auf Mallorca: Das ist tourismusfeindlich, habibi

Der Rassismus, der diesem Vorschlag innewohnt, ist fast grotesk cartoonhaft, meint Patrick Schirmer Sastre

Symbolbild: Eine Lehrerin in Deutschland unterrichtet Arabisch.

Symbolbild: Eine Lehrerin in Deutschland unterrichtet Arabisch. / Holger Hollemann/dpa

Eine der faszinierendsten ungeschriebenen Regeln unserer Gesellschaft ist das Klassensystem bei der Bewertung der Nützlichkeit von Sprachen. Auf Mallorca kriegen wir das täglich mit, gerade unter deutschen Auswanderern. Spanisch lernen gilt als vorbildhaft. Katalanisch wird bestenfalls in die Schublade "Wozu soll ich das denn können?" gesteckt. In Deutschland sieht man auch häufig das Phänomen: Spricht jemand fließend Französisch oder Portugiesisch, schmelzen die Zuhörer dahin.

Bei Chinesisch immerhin wird der hohe Nutzen in Wirtschaft und Diplomatie anerkannt. Aber wehe, zwei Kinder unterhalten sich auf dem Schulhof auf Türkisch, Ukrainisch oder Farsi: Da ist die GSG-9 kaum genug, um den unmittelbar bevorstehenden Untergang des abendländischen Wertesystems zu verhindern.

Ganz fleißig bei der Verbreitung des linguistischen Kastensystems auf Mallorca ist Vox. Jahrelang hat die Partei dem Katalanischen den Kampf angesagt, da es eine unmittelbare Gefahr für die Einheit Spaniens darstellt. Der Kampf wird fortgeführt, daran besteht kein Zweifel. Aber da sich die Partei ein bisschen die Zähne daran ausbeißt, wird jetzt eine neue Front eröffnet: das Arabische. Die Sprache soll in den Schulen nicht mehr unterrichtet werden. Das von den Konservativen mit Marokko abgeschlossene bilaterale Abkommen aus dem Jahr 2012 soll aufgehoben werden.

Cartoonhafter Rassismus

Der Rassismus, der diesem Vorschlag innewohnt, ist fast schon grotesk cartoonhaft. Denn lassen wir das linksversiffte Gutmenschenargument, dass jede Sprache wertvoll ist, mal beiseite. Und auch das Multi-Kulti-Geschwafel, dass alle Einwanderer – egal ob aus München oder aus Tanger – ihre heimatliche Kultur hier bewahren dürfen, soll hier keine Rolle spielen.

Fokussieren wir uns nur auf einen Punkt: Auch wenn man eine Gruppe Menschen nicht mag, kann es sinnvoll sein, ihre Sprache zu lernen. Es lernen ja schließlich genug Schüler Deutsch auf Mallorca.

Und: Buhlen wir nicht gerade um Urlauber aus dem Nahen Osten? Die Abschaffung des Arabisch-Unterrichts ist ziemlich tourismusfeindlich, habibi.

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