Meinung | Ja, aber ...
Weihnachtsbeleuchtung in Palma: Countdown ins Nichts
MZ-Kolumnistin Alexandra Wilms über das Für und Wider der Vorweihnachtszeit auf Mallorca

Palmas Weihnachtsbeleuchtung: So war der erste Abend im Lichterglanz / Guillem Bosch
Es ist ein bisschen peinlich, aber Weihnachten ist so eine Art schwarzer Fleck in meiner Inselintegration. Ein einziges Mal habe ich die Feiertage in den vergangenen zwanzig Jahren auf Mallorca verbracht, und das Covid-bedingt völlig unfreiwillig. An Weihnachten zieht es mich in den heimischen Schwarzwald, da will ich Familie, Freunde und Schnee. Letzteres gibt es tatsächlich gar nicht so oft, aber immerhin stimmt die Außentemperatur – und die gehört einfach dazu, zum Ambiente.
Glühwein schmeckt ohne Minusgrade nur halb so gut
Vielleicht bin ich auch deshalb etwas überkritisch mit der Vorweihnachtszeit auf der Insel. So sehr ich die milden Temperaturen liebe, mit offener Jacke und ganz ohne Handschuhe ergibt Glühwein einfach keinen Sinn. Ganz am Anfang habe ich den für die mallorquinischen Freunde mal selbst zubereitet – der mimische Kampf zwischen Höflichkeit und Abscheu war wirklich herzzerreißend mitanzuschauen. Er wird natürlich trotzdem serviert auf den zahlreichen Insel-Weihnachtsmärkten (ob die den Mallorquinern tatsächlich gefallen, oder ihre Existenz eher dem deutschen Heimweh geschuldet ist, sei mal dahingestellt). Was gab es nicht alles schon für Varianten: Ungeschlagenes Peinlichkeits-Level für mich persönlich die Version mit dem Kunst-Schneefall im Pueblo Español. Ebenfalls mäßig begeisternd sind die Industriemesse-Charme ausstrahlenden Konstrukte mit Ramsch-Produkten, die das Rathaus von Palma als Weihnachtsmarkt ausgibt. Immerhin, die Kunsthandwerk-Variante auf der Rambla kann sich vom Angebot her sehen lassen.
Wunderschönes Weihnachtslichter-Meer in Palma
Womit Palma in den vergangenen Jahren aber wirklich auftrumpfen konnte, das war die Weihnachtsbeleuchtung. Mal abgesehen von der Tatsache, dass die ersten Lichter Ende August angebracht und die letzten so gegen Ostern abmontiert werden, war das feierliche Anschalten der Lichterpracht auf dem Born in den vergangenen Jahren eine zwar überfüllte, aber wirklich schöne Angelegenheit.
Dass das Spektakel in diesem Jahr auf die Plaça d`Espanya verlegt wurde, war sicherheitstechnisch auf den ersten Blick nachvollziehbar. Dass sich die Massen auch jenseits der Avenidas stauen würden, hätte man ahnen können. Dass das einleitende Spektakel auf einer Bühne stattfand, die auch bei Grundschul-Vorführungen keine Napoleon-Komplexe auslöst, muss man sich erst einmal trauen.
Dass aber anscheinend niemand bei der Planung bedacht hat, dass die Plaça d`Espanya über die spärlichste Weihnachtsbeleuchtung der ganzen Innenstadt verfügt, ist schon bemerkenswert. Ganze drei mit Lichterketten umwickelte Palmen „erstrahlten“ nach dem Ablauf des Countdowns, das erwartungsvolle „Aaaah“ der Menge verstummte entsprechend schnell. „Dafür standen wir jetzt ewig im Stau?“, zischelte es ungläubig neben mir. Ja, ganz kurz hätte ich mir gewünscht, dem genervten Paar einen versöhnlichen Glühwein ausgeben zu können. Aber dafür war es einfach zu warm.
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