Meinung | Insel(t)räume
Kaufrausch zum Black Friday? Aufwachen, Leute!
Rabattwahn oder Konsumfalle? Der Black Friday hat für MZ-Kolumnistin Sophie Mono auf der Insel seine Unschuld verloren

Beim Black Friday herrscht auf Mallorca meist großer Andrang. / Guillem Bosch
Black Friday - bald ist es wieder so weit. Angeblich geht der griffige Name auf das Philadelphia der 1950er-Jahre zurück, wo jedes Jahr am Samstag nach Thanksgiving ein wichtiges Footballspiel stattfindet. Damals lockte es Scharen von Menschen an, die größtenteils bereits am Freitag anreisten - und den Geschäften vor Ort viele Kunden und schwarze Zahlen bescherten. Ursprünglich nutzten die Polizisten in Philadelphia den Namen, so ist es nachzulesen, um die in Schach zu haltenden Menschenmassen und das Verkehrschaos zu beschreiben. Erst mit den Jahrzehnten wurde der Begriff in den USA ins Positive gezogen - und als Schlachtbegriff für eine der größten Konsumkampagnen des heutigen Kapitalismus genutzt.
Mittlerweile seit über einem Jahrzehnt auch auf der Insel
Auch auf Mallorca hat sich der Black Friday in den vergangenen Jahren etabliert. Seit 2014 erstmals die großflächigen Rabattaktionen Ende November in Palmas Innenstadt einzogen, fiebern die Gewinn strebenden Unternehmer jedes Jahr aufs Neue auf das Datum hin, und immer mehr auch die konsumgeilen Käufer. Nicht lange ist es her, dass Palmas Einzelhändler sich lautstark darüber beschwerten, dass die Weihnachtsbeleuchtung erst nach dem Black Friday eingeschaltet werden sollte, nämlich am 3. Dezember. Eine Maßnahme, die das Rathaus damals aus Energiespargründen getroffen hatte. Im Jahr 2016 war das.
Und heute? Heute bemitleiden sie sich selbst, jene Einzelhandelsverbände, die damals zeterten, wie wichtig der Black Friday doch für sie sei. Sie bemitleiden sich dafür, wie ungerecht es doch sei, dass eigentlich nur „die Großen“ wirklich Gewinn aus den Rabattaktionen schlügen. Sie selbst hätten unter den geringen Gewinnmargen der Aktionspreise zu leiden, ebenso unter der Flaute, die in den Wochen vorher herrscht, weil die Käufer – Überraschung – sich beim Shopping extra zurückhalten und auf die Rabatte warten. „Wir wären ohne Black Friday besser dran“ (weil wir dann mehr Gewinne machen würden), ist nun die weitverbreitete Meinung der Händler.
Brauchen wir das wirklich alles?
Jetzt könnte man sich ins Fäustchen lachen und schadenfroh „der Kapitalismus frisst seine Kinder“ hinein hüsteln. Aber mir persönlich bleibt bei dieser ganzen Black-Frida-Chose jeglicher Humor abhanden – und das schon, seit ich vor einem Jahrzehnt zum ersten Mal bewusst davon gehört habe. Nicht nur, weil ein Großteil der angeblich reduzierten Preise nachweislich zuvor angehoben wurde – und es sich im Endeffekt gar nicht um wirkliche Schnäppchen handelt (zu gut Deutsch: weil man einfach nur verarscht wird). Sondern auch, weil ich die Vorstellung von Menschenmassen, die sich im Kaufrausch auf Supersonderangebote stürzen und die Einkaufswagen wie im Wahn füllen, einfach nur abstoßend finde – auch dann, wenn sich der Market Place online befindet und nicht in Palmas Einkaufsstraßen. Bald ist doch Adventszeit – die Weihnachtsbeleuchtung, die ja nun brav schon am 22. November (!) angeknipst wurde (Energiesparen? Wofür?) erinnert uns daran. Ein guter Moment also zum Innehalten. Brauchen wir WIRKLICH all den Mist, den uns die Werbung vorspielt zu brauchen? Muss es WIRKLICH noch mehr, noch neuer, noch besser sein, was wir an diesen Super-Rabatt-Tagen erstehen? Nur, damit wir uns sagen können „Toll, da haben wir ja richtig Geld gespart“?
Aufwachen, Leute! Die Artikel, die sich ohnehin solide verkaufen, weil sie nämlich notwendig sind, die sind von den Black-Friday-Angeboten ausgenommen. Schließlich ist die ganze Geschichte eine Erfindung der US-Konzerne und nicht der Caritas! Und alle anderen Käufe können wir auch getrost sein lassen. Wegen der Nachhaltigkeit, wegen der Sinnhaftigkeit - und ja, nicht zuletzt auch wegen unseres Geldbeutels.
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