Meinung
Nirgends strahlt der Himmel so schön grau wie in Hamburch!
MZ-Kolumnistin Jasmin Hickman ist auf Heimatbesuch in Norddeutschland und wundert sich, wie schön sie plötzlich das Hamburger Schietwetter findet.

Hamburg im wunderschönen Wintergrau / Jasmin Hickman
Ich liebe die Vorweihnachtszeit. Besonders in meiner Heimatstadt Hamburg. Und so schreibe ich auch diese Kolumne gerade aus der „schönsten Stadt der Welt“, wie Hamburg sich gerne schmückt. Naja, das kann man so sehen, muss man aber nicht. Für mich bedeutet Hamburg einfach Heimat und viele schöne Erinnerungen. Lustig ist, dass ich, als ich noch im Norden Deutschlands gewohnt habe, die Winterzeit einfach grausam fand. Was war ich genervt, wenn mein Vater predigte: „Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur falsche Kleidung. Und außerdem sind wir Hamburger ja nicht aus Zucker!“ Wenn ich jetzt zu Besuch bin, finde ich die unterschiedlichen Grautöne des Himmels wunderschön und den feinen Nieselregen richtig erfrischend – absurd. Ich glaube, dass ich das „Schietwedder“ nur deshalb genießen kann, weil ich weiß, dass ich in zwei Wochen wieder auf Mallorca bin und der Dezember bekanntlich traumhaft sein kann.
Nirgends schmeckt es im Winter so lecker wie in der Heimat
Mein größtes Highlight im Winter in Hamburg ist und bleibt das Essen, im speziellen Grünkohl. Ja, genau, diese grünbraune Pampe, die man entweder liebt oder hasst. Stundenlang eingekocht mit Kochwürsten und Kassler. Dazu kleine Zuckerkartoffeln und scharfer Senf – mehr geht nicht. Natürlich darf dazu der eiskalte Hamburger Kümmelschnaps nicht fehlen, der ist quasi überlebenswichtig. Was ebenfalls nicht fehlen darf, ist ein Besuch auf dem Winterdom und dem Weihnachtsmarkt. Dick eingemummelt mit Wollmütze und Handschuhen den dampfenden Glühwein schlürfen und fettiges, heißes Schmalzgebäck mit extra viel Puderzucker naschen. Erst wenn ich von oben bis unten eingestaubt bin mit dem feinen weißen Zuckerschnee, weiß ich: Der Winter ist da!
Als Tourist sieht man die Welt mit anderen Augen
Seit nun vier Jahren komme ich eigentlich als Tourist zurück nach Hamburg. Und ich muss sagen, so viel Spaß hat mir die Hansestadt noch nie gemacht. Aber das ist ja bekanntlich immer so: Erst wenn man etwas nicht mehr ständig um sich hat, weiß man es plötzlich viel mehr zu schätzen und zu lieben. Meine Liebe zu „Hamburch“ wird niemals vergehen und doch bin ich froh, auf Mallorca mein neues Zuhause gefunden zu haben. Die Nähe zum Meer, die Natur, die Menschen und das Licht schenken mir eine unglaubliche Lebensqualität, da verzichte ich gerne auf Grünkohl und Schmalzgebäck.
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