Meinung | Fels in der Brandung
Verdirbt Politik den Charakter?
MZ- Kolumnist Lutz Minkner über den jüngsten Korruptionsskandal, der die spanische Politik erschüttert

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez steht unter Korruptionsverdacht. / Kiko Huesca
Die spanische, regierende Linke kommt nicht zur Ruhe: Seit der gekauften Wahl von Regierungschef Sánchez kommen immer wieder Vorwürfe von Machtmissbrauch und Korruption ans Licht. Vorläufiger Höhepunkt ist die vom Obersten Gerichtshof Spaniens angeordnete Verhaftung des ehemaligen Verkehrsministers und (Noch-)Abgeordneten José Luis Abalos und seines windigen Beraters Koldo García. Während der Pandemie sollen sich beide mit Millionen-Deals im Zusammenhang mit Maskenkäufen bereichert haben. Mit einem umfangreichen politischen und wirtschaftlichen Netzwerk – die Untersuchungen richten sich auch gegen die ehemalige Ministerpräsidentin der Balearen Francina Armengol – sollen sie sich bei der Beschaffung von Schutzmasken durch überhöhte Preise und üppige Provisionen die Taschen voll gesteckt haben. Die Staatsanwaltschaft fordert für Abalos 24 Jahre Haft, für García 19,5 Jahre. Ähnliche Politskandale – wir erinnern uns an den ehemaligen Balearen-Präsidenten Jaume Matas – zeigen, dass Machtmissbrauch und Korruption keineswegs abhängig sind von der politischen Couleur, sondern durch Machtkonzentration und mangelnde Kontrolle aufblühen.
Immer weniger Menschen vertrauen in die Politik
Verdirbt Politik den Charakter? In Umfrage von 2008 hielten nur sechs Prozent der Befragten den Beruf des Politikers als einen, der besondere Achtung verdiene. Nun, ich hatte in jüngeren Jahren tiefe Einblicke in die Kommunalpolitik. Dort habe ich viele Menschen kennengelernt, die sich auf einem soliden Wertefundament und überwiegend ehrenamtlich für die Interessen der Bürger ihrer Gemeinde eingesetzt haben. Es gab häufig Streit über den richtigen Weg, der in demokratischer Diskussion ausgetragen wurde. Aber es gab auch immer einige, deren Engagement geprägt war von Selbstsucht, von Karrieredenken, von Machtstreben. Diese Spezies traf sich in Hinterzimmern, schmiedete unheilvolle Koalitionen und waren plötzlich Wortführer in Parteien und Parlamenten. So kann man mit Johannes Rau sagen: Nicht die Politik verdirbt den Charakter. Schlechte Charaktere verderben die Politik.
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