Meinung | Mein Mallorandum
Bier beim Zocken, Zigaretten nur mit Lizenz – die Regeln der Nacht
Wer auf Mallorca spätabends Zigaretten will, muss kreativ werden. Ein Fazit von MZ-Kolumnist Mirko Perković

Nachts wird es für Raucher auf Mallorca schwierig an Zigaretten zu kommen. / Foto: Archiv DM
Wer raucht und dieses Problem kennt, muss schnell kreativ werden – und spontan aufhören. Oder bis neun Uhr warten. Dann öffnet der Estanco wieder. Jetzt aber: Mitternacht, keine Glimmstängel im Haus. In Deutschland könnte ich zur nächsten Tankstelle. In Cala Millor frage ich meine Nachbarin. „Hast du noch Zigaretten?“ – „Vielleicht im salón de juego, hat bis vier auf und drinnen einen Automaten.“ Los! Die Spielhallenaufsicht grüßt, benötigt den Perso. Sie drückt die Fernbedienung. Es surrt, klackt! Die Schachtel fällt durch den Schacht. „¡Buenas noches!“ Im Augenwinkel sehe ich plötzlich einen Zapfhahn. Nanu?
Ich weiß: Tabak ist Staatsware. Verkauf nur in den Lädchen mit gelbem Schriftzug auf weinrotem Grund oder – mit Sonderlizenz – als Punto de Venta con Recargo (PVR). Automaten stehen drinnen, unter Aufsicht, freigeschaltet vom Personal. Darum sind Tankstellen oft tabakfrei, während manche Bars noch ein Ass im Ärmel haben.
Hier und dort anders bewertet
In Deutschland gibt es Zigaretten überall – Supermarkt, Kiosk, Straßenautomat –, Hauptsache Alterscheck; in der Spielhalle gilt dagegen Nüchternheitspflicht. Zwei Länder, zwei Rezepte gegen die Laster, das eine verteilt sich ähnlich: Ungefähr ein Viertel raucht, hier wie dort.
Ich gehe hinaus, das Päckchen am Mann, und ziehe Bilanz: Auf Mallorca könnte ich beim Zocken trinken, wenn die Thekenkraft ihr Go gibt, nicht „¡No!“ sagt; die Zigarette aber gibt es nur, wenn irgendwo eine Konzession existiert. In Deutschland bekomme ich überall das nächste Big-Pack, Bier aber gibt es nicht, sobald Fruchtsymbole oder Siebenen vor einem blinken. Der Unterschied: nicht was wir dürfen, sondern wer es genehmigt. Auf der Insel drückt jemand am Tresen den Knopf und schaut mir dabei in die Augen. In der Heimat drückt ein Amt – einmal für alle – den Knopf. Ich drücke auch einen: den, der entscheidet, ob ich wirklich noch Kippen brauche. Ist doch alles ein einziger Stress! Wieder ein leises Surren. Und ich weiß, wer hier die Knöpfe drückt.
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