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Meinung

Prügel-Polizisten entgehen Knast und bleiben im Dienst: Ein Verstoß gegen jegliches Gerechtigkeitsempfinden

Die Entscheidung im Fall des verprügelten Taxifahrers im Sommer 2024 mag juristisch gerechtfertigt sein. Moralisch hinterlässt sie aber einen bitteren Nachgeschmack, findet Patrick Schirmer Sastre

Der mutmaßliche Haupttäter nach der Festnahme.

Der mutmaßliche Haupttäter nach der Festnahme. / mallorcatv.info

Die deutschen Polizisten, die im Sommer 2024 einen 71-jährigen Taxifahrer auf Mallorca verprügelt haben, kommen nicht nur um eine Haftstrafe herum – sie bleiben zumindest vorläufig weiterhin im Dienst. Es ist eine Nachricht, die verstört, weil sie gegen jegliches Gerechtigkeitsempfinden verstößt. Dass es überhaupt möglich ist, liegt an einem Deal, den die Anwälte der Verteidigung mit den Anwälten des Opfers abgeschlossen haben. Dass das zuständige Gericht es absegnet, gilt als ausgemacht.

Es wäre müßig nun darüber zu spekulieren, warum der Taxifahrer sich auf so einen Deal einlässt. Das ist seine Sache. Ihn nun zu hinterfragen würde bedeuten, sein Leid unnötig zu verlängern. Vielmehr stellt sich die Frage, inwieweit sich unsere Gesellschaft solche Urteile leisten kann. Denn bei der brutalen Attacke handelt es sich zwar um ein drastisches Ereignis, aber keinesfalls um einen Einzelfall. Wir erinnern uns: Im selben Sommer – im vergangenen Jahr – fuhr ein Millionärssprössling einen jungen Mann mit seiner Yacht tot. Der mutmaßliche Täter flüchtete nach Deutschland, stellte sich erst nach Tagen den Behörden auf Mallorca. In Untersuchungshaft kam er nicht – ihm wurden lediglich Monate später Pass und Bootsführerschein entzogen. Ob und wann es zu einem Prozess kommt: unklar.

Justiz mit zweierlei Maß?

Dass die beiden Fälle das Bild der deutschen Urlauber auf Mallorca nicht gerade verbessert haben, sei an dieser Stelle nur Nebensache. Vielmehr ist das Problem, dass die Justiz offenbar weniger im Blick hat, was man getan hat – sondern wer man ist. Der Yacht-Kapitän wird sich von Papi die besten Anwälte zahlen lassen können und so möglicherweise einer Haftstrafe entgehen. Die Prügler aus Essen haben offenbar eine andere Trumpfkarte: sie sind Polizisten – wie sie dem Opfer während der Tat auch mehrfach vorhielten.

Dass dies Vorteile hat, wurde kurz nach der Tat klar: Der Richter setzte sie auf freien Fuß, anstatt sie in Untersuchungshaft zu schicken – was angesichts der Schwere der Tat durchaus gerechtfertigt und in anderen ähnlichen Fällen üblich wäre. Man darf zumindest nicht ausschließen, dass ihr Berufsstand bei dieser Entscheidung eine Rolle spielte.

Dass sie zumindest vorläufig weiter ihren Dienst ausüben dürfen, ist bedenklich. Denn ja, Polizisten riskieren ihr Leben für unsere Gesellschaft und verdienen deshalb einen besonderen Schutz. Andererseits sollte Fehlverhalten aus genau diesem Grund kompromisslos geahndet werden. Wie sollen sich die Menschen in Essen sicher fühlen, wenn solche Hooligans mit dem Schutz der Bevölkerung beauftragt sind?

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