Meinung | Ja, aber...
Fassungslos am Verfassungstag: Marga Prohens und ihr "Niedergang der Institutionen"
Während die Präsidentin den Niedergang der Institutionen beklagt, befördert ihre Regierung einen Ex-Funktionär mit zweifelhafter Vergangenheit. MZ-Kolumnistin Alexandra Wilms ist erstaunt

Juan Francisco Gálvez, als er vor Gericht aussagte. / Manu Mielniezuk
Es gibt im Spanischen den schönen Ausdruck dos noticias que se entienden mejor juntas – zwei Nachrichten, die zusammen mehr Sinn ergeben. Genau solche sprangen mich am Sonntag an, als die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" zunächst die Rede von Ministerpräsidentin Marga Prohens zum Tag der spanischen Verfassung zusammenfasste: „Prohens warnt anlässlich der Feier des Verfassungstages vor dem Niedergang der Institutionen.“ Natürlich mit Seitenhieb Richtung Pedro Sánchez, der als politischer Endgegner bei jeder Gelegenheit als Gefahr für eben jene Institutionen herhalten muss.
Direkt darunter jedoch die nächste Überschrift: „Balearenregierung befördert wegen Korruption verurteilten PP-Ex-Funktionär auf hohen Posten.“ So viel zum Thema Niedergang, verehrte Präsidentin. Beim Weiterlesen kommt man aus dem Kopfschütteln kaum heraus, es macht sich fast widerwillige Bewunderung für besagten Ex-Funktionär breit, der sein Handwerk und das Kleingedruckte offenbar beherrscht wie kein Zweiter. Juan Francisco Gálvez, einst Shootingstar unter dem ebenfalls wegen Korruption verurteilten Ex-Präsidenten Jaume Matas, fälschte als Generaldirektor für Jugend Rechnungen, manipulierte Verträge und bereicherte sich selbst.
Trotz Gefängnis zurück im Amt
Der Gute war schon offiziell angeklagt, als er die Nachfolger in der Inselregierung verklagte – sie hatten ihm einen Gehaltszuschlag von 85 Prozent verweigert, der ehemaligen Amtsträgern zusteht. Am Ende wurde er zu drei Jahren Gefängnis und einem zehnjährigen Dienstverbot verurteilt. Beamtenstatus futsch, Karriere eigentlich vorbei.
Hätte man so denken können. Doch weit gefehlt: Nach Ablauf der Sperre legte Gálvez die Beamtenprüfung einfach erneut ab, klagte sich Anfang des Jahres mithilfe seines Rechtsanwalts (Oscar Fidalgo, nebenher übrigens Stadtrat in Palma) zurück ins Amt – und wurde jetzt zum Abteilungsleiter für Sozialdienste befördert. Jahresgehalt: 70.000 Euro. Ein Posten, der sich, sagen wir mal, lohnt. Ja, Gálvez hat seine Strafe abgesessen, und ja, jeder hat das Recht auf eine zweite Chance. Aber vielleicht muss diese zweite Chance nicht ausgerechnet in der ersten Reihe der Institutionen stattfinden, deren Niedergang man öffentlich beklagt.
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