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Meinung | Meinung

Wohnen auf Mallorca: Im Kittchen ist kein Zimmer frei

MZ-Kolumnist Lutz Minkner über die Zustände auf Palmas kollabierenden Wohnungsmarkt. Ein altes Gefängnis als Notunterkunft für rund 300 Menschen – kontrolliert von Banden

Es sind vornehmlich junge Männer, die in den Ruinen des ehemaligen Gefängnisses eine Zuflucht fanden.

Es sind vornehmlich junge Männer, die in den Ruinen des ehemaligen Gefängnisses eine Zuflucht fanden. / B. Ramon

„Im Kittchen ist kein Zimmer frei“ titelte ein Film mit Jean Gabin, der als Clochard zur Winterzeit alles Mögliche anstellte, um ein warmes Bett und Mahlzeiten im Gefängnis zu finden. Der Film scheint noch heute bei Obdachlosen auf Mallorca ein Geheimtipp zu sein: Etwa 300 haben nämlich das ehemalige, verwahrloste, baufällige und seit 1999 leer stehende Gefängnis an der Straße nach Sóller besetzt und sich dort häuslich eingenistet. Wie in einem richtigen Gefängnis üblich, gibt es inzwischen dort kriminelle Gruppen (es soll sich um Algerier handeln), die Anstaltsregeln aufgestellt haben und den Betrieb kontrollieren. Und anders als im richtigen Gefängnis müssen die Obdachlosen auch Miete zahlen. Man spricht von 350 Euro für eine kleine Zelle. Allerdings sollen derzeit kriminelle Kolumbianer den Algeriern ihr „Hausrecht“ streitig machen zu wollen. Zwar haben viele der aktuellen Bewohner inzwischen amtliche Räumungsbescheide erhalten, doch aufgrund des häufigen Bewohnerwechsels räumen die Behörden in Palmas Rathaus „Zustellungsschwierigkeiten“ ein, weil sie die Adressaten der Verfügungen nicht kennen.

Sozialer Wohnungsbau kommt nicht in Schwung

Die Erklärungen aus dem Rathaus zeugen von Hilf- und Ratlosigkeit. Ja, sicher, man könnte das Problem mit einem massiven Polizeieinsatz lösen. Möglicherweise würden aber die Gerichte den Obdachlosen ein Bleiberecht geben, wenn das Rathaus nicht Wohnalternativen bietet. Daran fehlt es aber. Es gibt keinen freien Wohnraum in Palma! Bei einer Zwangsräumung würden die Besetzer sich andere Quartiere zur Besetzung suchen. Ein Circulus Vitiosus, ein Teufelskreis. Ich erzähle dies alles, um noch einmal den Finger in die größte Wunde der aktuellen Politik zu legen – die Wohnungsnot. Palmas Bürgermeister Jaime Martínez hat gerade angekündigt, in Palma ab kommendem Jahr 1.200 Wohnungen bauen zu wollen. Gebraucht werden zwischen 15.000 und 30.000. Und jedes Jahr kommen neue Einwohner hinzu, die eine Wohnung brauchen. Es gibt nur eine Lösung: bauen, bauen, bauen und zu erschwinglichen Preisen, damit alle Menschen auf Mallorca menschenwürdigen Wohnraum finden, was ihnen durch die spanische Verfassung übrigens garantiert wird.

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