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Meinung

Fest-Chaos! Was passiert, wenn man auf Mallorca zweimal Weihnachten feiert

Vom „Dekosaster“ bis zum Dreikönigsfest: So erlebt der Balearen-Papa und MZ-Kolumnist Mirko Perković die Weihnachtszeit mit seinen Töchtern

Die drei heiligen Könige bei der Cabalgata de Reyes Magos in Palma 2025.

Die drei heiligen Könige bei der Cabalgata de Reyes Magos in Palma 2025. / Ayuntamiento de Palma

Die Töchter (2 und 4) drehen durch, ich rufe: „Heute, Kinder, wird’s was geben!“ Die Große: „Baum schmücken!“ Die Kleine? Bäng! Sie schmeißt ein Kügelchen auf den Boden! Barfuß fege ich Scherben auf. Willkommen im Fest-Chaos eines Balearen-Papas! Das Schmücken? Stemmen sie in Eigenregie. Ein Dekosaster! Jetzt hängt alles, wirklich alles, ganz unten. Lametta, Kugeln, dieser kleine Holzstern – alles klebt auf den untersten Ästen. Schieflage, kurz vorm Umkippen. Egal! Kleinkinder kennen Intensität, keine Symmetrie.

Mallorca! Deutscher Pass. Palmen, Plastiktanne. Für die Kinder bedeutet das: Kalender-Irrsinn! Insel-Leben bedeutet auch: Zwei Weihnachten feiern! Wir zelebrieren den Geschenke-Spagat. Ich komme aus der Heiligabend-Welt, in der um Punkt 17 Uhr „Karpfen und Kluski (Klöße)“ der polnischen Schwiegermutter gegessen wurden. Ein starrer Ritus. Hier beginnt die stille Zeit am 6. Dezember. Arbeitnehmer freuen sich: Feiertag. Aber nicht wegen Nikolaus, wegen der Verfassung. In welcher sind wir? Wir Deutsche feiern Nikolaus — wie immer. Am 8. Dezember ist wieder frei: unbefleckte Empfängnis. 

Doppelte Bescherung

Die Kinder wissen: Die Geschenke, die großen, kommen hier nicht am 24. Dezember. Das Leben, der Höhepunkt, ist die Parade. Am 5. Januar. Wenn Melchior, Kaspar, Balthasar kommen. Eine Karawane. Ohne Schlitten, dafür mit Pappmaché-Kamelen. Wir legen Futter und Wasser bereit, die Schuhe sind geputzt. Ein Akt der Hingabe. An die Fremdheit, die wir einst gewählt haben. Die Umzüge sind bunt und laut, die Bonbons fliegen. Eine Kakophonie aus Staunen und Erinnerungen — für immer.

In der Zwischenzeit? Mampfen wir Zimtsterne von deutschen Drogerien oder probieren mal Turrón. Wir mustern die Beléns, diese riesigen Krippen, die jetzt überall stehen. Wir kaufen ein Zehntellos für El Gordo. Am Ende bekommen die Kinder alles: die Gemütlichkeit unterm Baum und den Umzug. Doppel-Wumms. Welch Glück! Und meine Kinder? Sie werden älter. Bald sind sie alt genug, dann kommt der 28.12. hinzu: das spanische Streiche-spielen-Pendant. April, April. Kein Scherz!

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