Meinung | Insel(t)räume
El Gordo 2025: Warum ich trotz Nieten jedes Jahr wieder mitspiele
Zwischen Vorfreude, Gemeinschaft und der Angst, etwas zu verpassen: Eine persönliche Reflexion über die Lotería de Navidad von MZ-Kolumnistin Sophie Mono

Dabei sein ist bei der spanischen Weihnachtslotterie alles. / Eduardo Parra
Nein, ich habe El Gordo nicht gewonnen. Genau, wie in all den Jahren zuvor. Jedes Jahr am 22. Dezember, wenn die Ziehung der Weihnachtslotterie vorbei ist, und ich meine Nieten betrachte, denke ich dasselbe: Nächstes Jahr spare ich mir das Geld für die Lose. Und jedes Jahr aufs Neue werfe ich diesen Vorsatz über Bord, wenn die Vorweihnachtszeit beginnt. Dabei bin ich überhaupt keine Glücksspielerin. Ich habe noch nie Lotto gespielt, noch nie Eurojackpot. Der Gedanke, „was wäre, wenn ich gewinne“, der Menschen in die Spielsucht treibt, zieht bei mir nicht. Ist doch eh total unwahrscheinlich!
Aber die spanische Weihnachtslotterie, die ist irgendwie etwas anderes. Nicht nur wegen der höheren Gewinnchancen. Nein, vor allem wegen des sozialen Drucks. Zugehörigkeitsdrang, Neid – die Lotería de Navidad hat auch hässliche Auswüchse. Obwohl - oder vielleicht gerade weil - sie ja eigentlich ein schönes gesellschaftliches Ereignis ist. Mit ihrem ganz eigenen Sound, der am Vormittag des 22. Dezember durch die Straßen schallt. Ich liebe es, umherzustreifen und aus den Fernsehern aller Bars und Cafés dieselben Geräusche zu hören: die von der Live-Schalte ins Teatro Real in Madrid, wo die Losnummern bei der Ziehung in einem unverwechselbaren Singsang vorgetragen werden. Gemeinsam schauen, gemeinsam hoffen. Ein gesamtgesellschaftliches Happening, wie es das in Zeiten von On-Demand-TV kaum noch gibt. Und das so kurz vor Weihnachten, wo ohnehin eine besondere Stimmung auf Mallorca vorherrscht: Gelassenheit. Ausgelassenheit. Freude. Vorfreude. Und dazu der besondere Kick der Lotterie. Keine Frage: Sollte ich irgendwann einmal nicht mehr in Spanien leben, werde ich diese Vorweihnachts-Vibes auf jeden Fall vermissen!
Die Hoffnung mischt sich mit der Angst, den Gewinn verpassen zu können
Auch in den Wochen zuvor ist die Lotterie allgegenwärtig: Ständig fragen mich Freunde und Bekannte, ob ich mir nicht ein Los mit ihnen teilen wolle. Das ist schön – aber auch verführerisch. Genau wie die Struktur der Lotterie. So ganz werde ich sie wohl nie verstehen. Nur so viel: Wenn man gewinnt, ist das oft doppelt schön. Geteilte Freude mit allen, die dieselbe Serie gekauft haben. Wenn man aber nicht mitspielt, und die Nummer der Freunde gewinnt, dann ist das weniger lustig. Zu der gemeinen „Was wäre, wenn ich gewinne?“-Stimme im Hinterkopf kommt noch die „Was wäre, wenn die anderen gewinnen?“-Stimme hinzu. Was wäre, wenn alle meine Arbeitskollegen den Hauptgewinn ziehen – nur ich nicht? Was wäre, wenn alle aus meiner Clique plötzlich hunderttausend Euro gewinnen – nur ich nicht? Was wäre, wenn ein Geldregen über die Eltern der Fußballmannschaft meines Sohnes niedergeht – nur über mich nicht?
Nun halte ich also wieder einmal meine Nieten in der Hand. Fast-Nieten. Immerhin: Ein Los beschert mir 10 Euro, ein anderes sogar 100. Kostendeckung. Der alte Impuls kommt hoch: Nächstes Jahr mache ich nicht mit. Dann halte ich inne. Doch. Ich werde nächstes Jahr wieder mitmachen. Aus Zugehörigkeitsdrang? Aus Neid? Vielleicht. Aber auch aus Geselligkeit, Spaß und Träumerei. Ein wenig hoffen auf ein Stück materielles Glück, für sich und für andere liebe Menschen. Nur einmal im Jahr. Weil bald Weihnachten ist.
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