Meinung
Gegen den Politikfrust: Warum gibt es auf Mallorca keine Bürgerentscheide?
Ein umstrittener Hafenumbau, der Kahlschlag von Jahrzehnte alten Bäumen auf der Stadtmauer: Die Bürger können sich auf der Insel nicht an Entscheidungen beteiligen. Eine vertane Chance, findet Johannes Krayer

Der Kahlschlag auf der Stadtmauer: 17 Ombubäume wurden an der Plaça Llorenç Villalonga in Palma gefällt. / Manu Mielniezuk
Ein Hafenumbau für 240 Millionen Euro, der Kahlschlag von 17 schattenspendenden Ombubäumen auf der Stadtmauer: nur zwei der Nachrichten aus den vergangenen Tagen. Und beide haben für jede Menge Unzufriedenheit und Frust bei vielen Bürgern in Palma gesorgt. Der Hafenumbau sei weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit beschlossen worden, kritisiert die Bürgerinitiative Palma XXI. Und gegen die Abholzung der Ombubäume in der Altstadt liefen gleich Dutzende Gruppierungen Sturm und warfen der Stadtverwaltung vor, intransparent zu handeln.
Unabhängig davon, ob dieser Vorwurf nun zutrifft oder nicht: In Sachen Basisdemokratie kann die Insel tatsächlich noch etwas lernen. In Deutschland oder auch der Schweiz gibt es für solche Vorhaben die schöne Figur des Volks- oder Bürgerentscheids. Die Bewohner der Stadt oder der Region können mit ihrer Stimme direkt Einfluss auf die Entscheidungen an ihrem Wohnort nehmen und fühlen sich ernst genommen. Auf Mallorca gibt es diese Chance bisher nicht.
Nun könnte man argumentieren, dass die Gefahr umstürzender Bäume nicht von den Bürgern der Stadt beurteilt werden kann, allerdings wird bei diesem Thema offensichtlich ohnehin mit zweierlei Maß gemessen. Als vor gut sechs Jahren eine Frau von einer umstürzenden Palme an der Kathedrale erschlagen wurde, kam niemand auf die Idee, die anderen Exemplare abzuholzen. Bürgerentscheide könnten dabei helfen, das Vertrauen in die Politik wieder zu erhöhen. Zu Zeiten populistischer Parolen ist das essenziell.
Spanische Übersetzung
Una reforma portuaria de 240 millones de euros y la tala de 17 antiguos bellaombres en la muralla: dos noticias de los últimos días que han generado frustración e indignación entre muchos ciudadanos de Palma. La entidad Palma XXI critica que la decisión sobre el macroproyecto del puerto se haya tomado a espaldas de la ciudadanía, mientras que varias asociaciones vecinales han protestado contra la eliminación de los árboles en la muralla, acusando al Ayuntamiento de falta de transparencia.
Más allá de si estas críticas son o no justificadas, lo cierto es que la isla aún tiene mucho que aprender en materia de democracia participativa. En Alemania o en Suiza, los referéndums y consultas ciudadanas son una herramienta habitual: los vecinos se sienten escuchados y pueden decidir directamente sobre los proyectos que afectan a su entorno. En Mallorca, esa posibilidad aún no existe.
Es cierto que algunos temas —como el riesgo de caída de árboles— pueden requerir conocimientos técnicos. Pero incluso en este ámbito parece aplicarse un doble rasero: hace seis años, cuando una mujer murió al ser golpeada por una palmera junto a la Catedral, nadie planteó talar las demás.
Los referéndums locales podrían contribuir a restaurar la confianza en la política, una confianza muy dañada en los últimos años. En tiempos de consignas populistas y desafección institucional, sería un paso valiente devolver a los ciudadanos la voz y el poder de decisión sobre aquello que más directamente les afecta.
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