Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Meinung

Stille Nacht, Auto platt: Die unglaubliche Rettung auf einem Supermarktparkplatz

Als Fremde anpackten und mir das Fest retteten – eine wahre Weihnachtsgeschichte von MZ-Kolumnist Mirko Perković

Weihnachten herrscht überall eine besondere Stimmung - und manchmal passieren auch kleine Wunder.

Weihnachten herrscht überall eine besondere Stimmung - und manchmal passieren auch kleine Wunder. / Nele Bendgens

An Weihnachten ist die Welt ein Pulverfass. Termine, Besorgungen und To-do-Listen, die länger sind als die Warteschlange am Correos-Schalter. Mein persönlicher Tiefpunkt? Der Samstagabend vor Heiligabend. Ich stehe auf einem Supermarktparkplatz in Cala Millor. Bereits nach Ladenschluss.

Während ich im Auto mit meinem Bruder telefoniere, schmilzt im Kofferraum mein zuvor gekauftes Schoko-Eis – und mit ihm die Hoffnung auf Feierabend. Totalausfall! Die Batterie hat kapituliert. Mein Display rät mir leicht höhnisch, ich solle den Airbag überprüfen lassen. Als ob ein Kissen im Gesicht das Einzige wäre, das mir in dieser bewegungsunfähigen Aussichtslosigkeit noch fehlen würde.

Mittendrin im Weihnachtswunder

Wie fühle ich mich? Wie der Protagonist einer modernen Weihnachtsgeschichte, der kurz davor ist, das Fest der Liebe einfach abzusagen. Nichts geht mehr! Doch dann geschieht das, was wir im Vorweihnachtsstress oft übersehen. Mein mallorquinischer Kumpel Antonio rückt rasch mit dem Überbrückungskabel an, doch mein kleiner Italiener bleibt vorerst stur. Die Rettung kommt schließlich durch „Power-Banks“ aus Fleisch und Blut: Drei Kolumbianer rollen auf den Platz.

„¿La batería?“, fragt der Fahrer. Ohne Zögern folgt Starthilfe der besonderen Art: Ein Griff ans Lenkrad, vier Hände am Heck, ein kräftiger Stoß – und plötzlich heult der Motor auf, die Lampen leuchten. Die schönste Adventsbeleuchtung, die ich je gesehen habe! Welch Weihnachtswunder! In diesem magischen Moment wird mir klar: Wir reden ständig davon, über die Feiertage „die Akkus aufzuladen“. Meistens meinen wir damit eine Flasche schweren Rotwein oder digitale Abstinenz. Aber manchmal laden sich die Akkus durch völlig Fremde auf, die einfach anschieben, Barm- und Warmherzigkeit leben.

Ich bin jetzt daheim, rette, was zu retten ist. Das Eis ist nun ein „Mousse au Chocolat“, aber es badet hervorragend in einer Tasse heißem Kakao. Mein Auto hat wieder Saft, meine Zuversicht auch. Und der Airbag? Der kann warten. Ich bin auch ohne Kissen ziemlich weich gelandet. Dank Nächstenliebe. Frohes Fest!

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents