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Ribera del Duero entdecken - die Weinkolumne
Heiß, hoch und hochtalentiert: MZ-Kolumnist Jürgen Mathäß über die kraftvollen Tempranillo-Weine der Region Ribera del Duero

Ein typischeR Ribera zum Kennenlernen der Region: das Weingut Pagos de Anguix. / Bodega Pagos de Anguix
Als ein amerikanischer Weinpapst 1984 schrieb, der „Pesquera“ von Alejandro Fernández sei der „Petrus Spaniens“ war es ein Ritterschlag besonderer Art. Auf Augenhöhe mit einem der teuersten Bordeaux stellte er keinen Wein aus der stolzen Rioja, die jahrzehntelang fast alle berühmten Weine Spaniens geliefert hatte, sondern einen Newcomer aus einer Region, die kaum jemand kannte. Ribera del Duero heißt übersetzt „an den Ufern des Duero“. Als geschützte Bezeichnung wurde die Weinregion erst 1982 mit nur einem halben Dutzend Weingütern gegründet, unter anderem betrieben durch den rastlosen Alejandro Fernández. Sie ist wie alle Qualitätsregionen Spaniens („Denominación de Origen“ = DO) genau abgegrenzt, beginnt etwa 40 km östlich der Großstadt Valladolid und folgt dem Duero rund 80 km lang in Richtung Osten.
Einer der prestigeträchtigsten Rotweine Spaniens
Die überraschte Weinwelt, die nun an den Duero pilgerte, hätte es besser wissen können: Der weltberühmte Vega Sicilia Unico, der bis heute als eine Art vinologisches Heiligtum über allen spanischen Weinen schwebt, stammt genau aus dieser Region und wurde selbstverständlich bei der Gründung der DO mit einbezogen. Die weltweite Beachtung der neuen Region rief eine Gründungs- und Erfolgswelle hervor, die bis heute anhält und dazu führte, dass inzwischen das wärmere, von Kontinentalklima geprägte Ribera der traditionsreichen Rioja an Ansehen gleichgestellt ist.

Trauben des Ribera del Duero der Bodega Pagos de Anguix / Bodega Pagos de Anguix
Bis zu dreistellige Beträge für die Spitzenweine der Region
Der Weinstil jedoch ist anders als in der kühleren Region am Ebro. Besondere Bedingungen für die Weine vom Duero sind die heißen, trockenen Sommer mit großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, die Kalk-geprägten Höhenlagen auf der kastilischen Hochfläche zwischen 500 und 900 Metern sowie die Festlegung auf Tempranillo als Hauptrebsorte. Mindestens zu 75 Prozent muss ein Wein der Ribera del Duero aus der wichtigsten roten Sorte Spaniens bestehen. Kühle Nächte während der Traubenreife machen die Region und ihre Weine einzigartig, denn sie tragen dazu bei, dass in den Trauben bei aller Reife eine frische Fruchtnote und eine feine Säure erhalten bleibt. Unangenehmer Nebeneffekt für Weinliebhaber: Günstig zu haben sind die besten Weine keinesfalls: Dreistellige Beträge für die Spitzen der Region müssen Liebhaber schon mal ausgeben.
Gute Weine zum Kennenlernen auch für den kleinen Geldbeutel
Hin und wieder findet jedoch der rastlose Weinkolumnist einen Wein, der die typischen Stärken der Region auch für kleineres Geld ganz gut zeigt. Die 85 Hektar Weinberg des Weinguts Pagos de Anguix wachsen auf über 800 Meter Höhe in der Gegend von Roa. Gepflanzt sind ausschließlich Tempranillo-Reben. Verantwortlich für die Weinqualität ist José Manuel Pérez, ein in ganz Spanien angesehener Kellermeister.
Der Einstiegswein des Weinguts, nach der Höhenlage „822“ benannt und 9 Monate in Eiche gereift, ist bereits ein sehr typischer Ribera - sozusagen zum Kennenlernen der Region. Im Glas zeigt er ein kräftiges Rot mit leicht violetten Reflexen. Der fruchtbetonte Duft nach reifer, aber frischer Pflaume, der samtig-reife Eindruck im Mund, süßliche Gerbstoffe und eine harmonische Säure kennzeichnen den typischen Rotwein aus Ribera del Duero.
Jürgen Mathäß ist Weinjournalist und Spanien-Experte
Der Wein
„822“, 2021, vom Weingut Pagos del Anguix.
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