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Meinung | Ja, aber ...

Fachkräftemangel auf Mallorca – jetzt auch in der Politik

Neues Jahr, neues Glück, neuer Tourismusverantwortlicher im Inselrat. Alexandra Wilms über eine überraschende Personalie

Guillem Ginard auf einem Archivfotovon 2023. Rechts im Hintergrund sein Vorgänger Marcial Rodríguez.

Guillem Ginard auf einem Archivfotovon 2023. Rechts im Hintergrund sein Vorgänger Marcial Rodríguez. / B. Ramon

Kurz vor Weihnachten wurde der bisherige Dezernatschef Marcial Rodríguez abgelöst – freiwillig, offenbar nur laut offizieller Lesart. Rodríguez war selbst für den blass-untätigen Inselratspräsidenten Llorenç Galmés nicht mehr haltbar. Erst gab es Vorwürfe von Beamtenmobbing, danach scheiterte seine Abteilung gleich zweimal an der Neuvergabe einiger weniger Ferienvermietungslizenzen – und ließ dann auch noch Fälle von illegaler Ferienvermietung schlicht verjähren.

Der Legende nach will sich Rodríguez bis zu seiner nahenden Pensionierung wieder dem privaten Sektor widmen. Inoffiziell heißt es, er werde im gut gepolsterten Auffangbecken der Stadtverwaltung Palma unterkommen. So funktioniert Politik: Man sorgt für die Seinen, selbst wenn sie den Karren an die Wand gefahren haben.

Ein Nachfolger ohne Expertise im Tourismus

Überraschender als Rodríguez’ Abgang ist die Wahl seines Nachfolgers. Guillem Ginard ist im Tourismussektor unbekannt. In dieser Legislaturperiode kümmerte er sich als Kulturdezernent um Randthemen wie die Aufnahme mallorquinischer Scherenschnitte ins Kulturerbe.

Politisch sozialisiert wurde Ginard bei Unió Mallorquina, jener regionalistischen Partei, die sich schließlich im Korruptionssumpf auflöste. Auch Ginard stand wegen mutmaßlicher Bestechung vor Gericht, das Verfahren verjährte. Jetzt also Tourismus – kein leichter Job, die von Rodríguez eröffneten Baustellen irgendwie zu vollenden.

Spricht es für Ginard, den Job trotzdem anzunehmen? Ja. Aber seine Berufung zeigt vor allem eines: Die einst als Tourismus-Partei bekannte PP hat schlicht keine Leute, die sich der früheren Kernmaterie annehmen wollen. Wer was vom Geschäft versteht, hat einen gut bezahlten Job im Privatsektor. Dass sich kein einziger Experte berufen fühlt, für die konservative Partei anzutreten, ist ein ziemliches Armutszeugnis.

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