Meinung
Mallorca im Ausnahmezustand: Die wilde Zeit der Teufelsfeste beginnt
Weihnachten vorbei, Schule startet – und schon steht das nächste Fest vor der Tür: Sant Antoni mit Feuer, Masken und ganz viel Lärm. MZ-Kolumnistin Sophie Mono kommt kaum noch hinterher

Bald tanzen die Teufel wieder inselweit. Hier in Artà 2025. / GUILLEM BOSCH
Nach den Königen ist vor den Teufeln. Kaum haben die drei Weisen aus dem Morgenland die Rückreise angetreten, endet auf Mallorca (endlich) die Weihnachtszeit. Ab in die Schule, adiós Weihnachtsdeko, zack, vorbei. Von einem auf den anderen Tag. Wurde auch Zeit. So langsam ist es ja mal gut mit den grell-blinkenden Lichterketten an den Balkonen, den – mal mehr, mal weniger umstrittenen und mal mehr, oft weniger sehenswerten – Weihnachtsmärkten, den Geschenkebergen, den Süßigkeitenmassen …
Also jetzt endlich wieder alltagsstrukturelle und kulinarische Normalität? ¡Qué va! Papa Noel und die Reyes Magos geben auf Mallorca dem Heiligen Antonius die Klinke in die Hand. Bloß keine Ruhe aufkommen lassen. Der Feiermodus bleibt an. Immerhin: Geschenke bringt der gute Antonius nicht. Halleluja! Wo soll das ganze Zeug auch noch hin? Dafür aber schon wieder jede Menge Aufregung, Feierlichkeiten und Feiertage.

Figuren des heiligen Sant Antoni im Kampf gegen den Teufel / ROSA FERRIOL
Die Teufel sind los
Nicht, dass die Kinder dieser Insel es nötig hätten, bis zum 7. Januar zu warten, um Mallorcas Überflieger-Heiligem – und seinen teuflischen Widersachern, den dimonis – zu huldigen. Wenn es nach den Jüngsten geht, machen sich die typischen Klänge, die auch zu dem eigentlichen Sant-Antoni-Fest um den 17. Januar schon gewöhnungsbedürftig sind, ganzjährig gut. Egal ob beim Oster-Brunch, in der Augusthitze, im Spätherbst oder unterm Tannenbaum: tatatataxín und die anderen Teufels-Hits gehen immer – finden zumindest die Altersklassen zwischen 1,5 und 10 Jahren.
Aber was soll's? Jetzt, ab dem 7. Januar, ist ja auch offiziell Saison. In Kindergärten und Schulen gibt es nun gefühlt kein anderes Thema mehr. Teufelsmasken, -magneten, -bilder und ähnlicher Bastelkram werden dort jetzt wieder in Massen von Kinderhand produziert. Alle fiebern dem Besuch der Teufel entgegen, die meist schon Tage vor dem Fest in die Bildungseinrichtungen kommen, damit auch ja jedes Kind Teil wird vom dimoni-Kult.

Bein den Sant Antoni-Feierlichkeiten wird es schon mal voll in den Gassen. Hier in Manacor 2025. / GUILLEM BOSCH
Sozialisierungsprobleme
Nicht falsch verstehen. Ich finde es toll, dass Mallorca etwas Eigenes hat, für das Klein und Groß brennt. Etwas, das nichts mit Urlaubern zu tun hat, nichts mit Profit und nichts mit Außenwirkung. Ehrlich. Trotzdem verstehe ich nicht, wie man 364 Tage im Jahr dem Moment entgegenfiebern kann, an dem (wie im Fall Capdepera) zwei Männer in schlecht gemachten Teufelsverkleidungen aufeinanderstoßen und mit ihrem ersten Tanz ein Fest eröffnen, das hauptsächlich daraus besteht, sich stundenlang mit den Menschenmassen durch enge Gassen zu quetschen und ebenjene Höllenwesen zu bejubeln.
Jedes Jahr aufs Neue versuche ich, die Euphorie zu begreifen. Jedes Jahr aufs Neue gelingt es mir nicht. Echte Insulaner verstehen wohl nicht, wieso ich nicht verstehe. Das wiederum verstehe ich. Und so freue ich mich letztlich meist über ihre Freude am Fest. Und darauf, dass bald alles vorbei ist und Normalität einkehrt. Bueno … abgesehen von den nachgelagerten Sant-Antoni-Feiern in Nachbardörfern. Und Sant Sebastià in Palma. Und Karneval. Aber dann … ja, dann ist ja bald auch der Osterhase am Start.
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