Meinung | Fels in der Brandung
Zehn Billionen Euro auf deutschen Sparbüchern
Deutsche gehören zu den größten Investoren auf Mallorca. Aber nicht sie sind der Grund für die Wohnungsnot, findet MZ-Kolumnist Lutz Minkner.

Symbolbild Geld / Redaktion DM
Viele träumen von einem charmanten Apartment oder gar einer schicken Villa am Meer. Doch die Preise steigen und steigen, weil das Angebot geringer ist als die Nachfrage. Wer soll / kann das noch bezahlen? Jede dritte Mallorca-Immobilie wird an Ausländer verkauft, von denen über 40 Prozent aus Deutschland kommen. Aber Deutschland stöhnt doch ständig über 24.000 Insolvenzen im vergangenen Jahr, über Arbeitslosigkeit, über leere Auftragsbücher, zu hohe Energie- und Personalkosten, nicht gelöste Probleme aus Corona-Zeiten! Das ist aber nur eine Seite der Medaille. Denn bei genauer Betrachtung ist Deutschland reich! Soeben veröffentlicht die DZ-Bank, dass in Deutschland auf privaten (!) Sparbüchern, auf Bankkonten, in Depots und in sonstigen Geldanlagen ein privates Geldvermögen von über 10 Billionen Euro liegt. Zur Erinnerung: eine Billion hat 1.000 Milliarden und eine Milliarde hat 1.000 Millionen. Und in den letzten Tagen hat sich dieses Vermögen noch einmal drastisch erhöht, berücksichtigt man, dass der Dax im vergangenen Jahr um 23 Prozent zugelegt hat, und der Goldkurs um 70 Prozent geklettert ist. Diese Zahlen erhellen, warum ein Immobilienkäufer aus Deutschland nur selten den Kaufpreis finanzieren muss.
Ausländische Investoren bringen Reichtum auf die Insel
Wir sollten die ausländischen Investoren willkommen heißen, denn sie bringen Mallorca Wohlstand: Sie zahlen üppige Steuern beim Erwerb der Immobilie (Grunderwerbsteuer oder Mehrwertsteuer) und sonstige Nebenkosten für Notare, Rechtsanwälte und Gestorias, Steuern während der Besitzzeit (Grundsteuer) und beim Weiterverkauf (Gewinnsteuern). Sie schaffen Arbeitsplätze während des Baus für Baufirmen, Tischler, Klempner, Elektriker, Poolbauer, Kücheneinrichter und danach für Putzfrauen, Gärtner und andere Dienstleister. Und sie sind hervorragende Konsumenten bei Dienstleistung, Handel und besonders in der Gastronomie. Sie sollen Schuld sein an der Wohnungsnot auf Mallorca? Die Häuser, die die ausländischen Investoren kaufen, wurden von schlauen Mallorquinern extra für diesen Kundenkreis geplant und gebaut, nicht für den mallorquinischen Kellner oder Autoschlosser. Sicher, jeder Mallorquiner hat ein verfassungsmäßig garantiertes Anrecht auf menschenwürdigen Wohnraum. Diesen zu schaffen, ist aber nicht Aufgabe von ausländischen Investoren, sondern Aufgabe der Politik. Diese hat es in den letzten drei Jahrzehnten (unter Regierungen aller Farben) sträflich vernachlässigt, Sozialwohnungen zu bauen. Auf Mallorca liegt die Quote von Sozialwohnungen deutlich unter 2 Prozent. In Österreich, Dänemark und den Niederlanden bei über 20 Prozent. Der Unmut der Wohnungssuchenden sollte sich deshalb nicht gegen ausländische Investoren, sondern gegen die Regierenden richten!
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