Meinung | Mein Mallorandum
Was ein Preisvergleich im Supermarkt zwischen NRW und Mallorca wirklich zeigt
MZ-Kolumnist Mirko Perković findet, dass Geld nicht alles ist

Symbolbild: Ein voll beladener Einkaufswagen in einem Aldi-Supermarkt. / ALDI
Neulich rief mich meine Mutter an. Ich war schwimmen – Piscina Municipal Capdepera. Dieser Kachelrand! Dieses Wasser, das einem die Gedanken wäscht. Meine Haare noch nass, das Handtuch um die Schultern. Sie fragte: „Wieder mit Badehaube?“ Ich: „Ja, ist hier so.“ Sie lachte. „Lustig, ich war auch gerade schwimmen. Aber oben ohne.“ Zufall! Es fiel uns zu, weil es fällig war.
Dann sagte sie: „Ich gehe jetzt einkaufen.“ Ich: „Gibt’s doch nicht! Ich auch.“ Und so standen wir, Mutter und Sohn, gleichzeitig in zwei Discountern derselben Kette – sie in NRW, ich in Cala Ratjada. 1.500 Kilometer und eine gute Telefonverbindung dazwischen. „Komm“, sagte sie, „wir spielen Der Preis ist heiß.“
Und schon begann unser Familienduell. Erste Runde: Traubenmix, 500 Gramm. Sie: „1,59.“ Ich: „2,29.“ Sie triumphierte. „Deutschland führt!“ Zweite Runde: Zucchini. 1,11 zu 1,09 für calabacín. „Unentschieden“, sagte ich. „Gemüse verhält sich besonders diplomatisch.“ Beim Rinderhack kippte das Spiel: 9,99 gegen 10,39. „Na gut“, murmelte ich. „Transportaufschlag.“ Kochschinken? 1,59 zu 1,99. Wieder ein Punkt für Mama.
Alles hat seinen Preis
Und dann das große Finale: der irische Cremelikör – das wahre Genussbarometer aller Preisvergleiche. 9,99 gegen 14,39. Sie: „Tja. Dafür lebst du im Paradies.“ Ich hielt kurz inne. Zwischen Einkaufswagen, Touristen und einer Durchsage auf Castellano. Die Frau hinter mir kramte Kleingeld, ihr Kind schrie nach Schokocroissants. Und während ich aufs Band schaute, wurde mir klar: Sie hat recht.
Walnusskerne sind hier 20 Cent teurer, Gummibärchen kosten doppelt so viel. Aber Sonne, Meer, Siesta? Unbezahlbar! Ich beschwere mich doch nicht über 40 Cent Unterschied beim Käse. Beim Instantkaffee – 6,49 zu 4,59 – holte ich auf. Sie lachte: „Na siehste, Mallorca ist doch nicht so teuer!“
Seitdem haben wir ein neues Ritual. Geht sie einkaufen, schickt sie mir Fotos ihres Kassenzettels. Ich antworte mit einem Sonnenuntergang. Manchmal schreibe ich dazu: „Der Preis für mein Leben? Ist eben heiß.“
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