Meinung | Ja, aber ...
Mallorca auf der Fitur: Basisdemokratie mit dem Ayatollah
Dass die Vertreter der Insel nach Madrid zur Tourismusmesse reisen, könnte man sich sparen, findet Alexandra Wilms. In einer Hinsicht aber ist es eine gute Nachricht

Auf einer Präsentation des Inselrats im Vorfeld der Tourismusmesse Fitur 2026. / Ana B. Muñoz
Falls Sie die Insel dieser Tage irgendwie leer finden, liegt es daran, dass derzeit jeder, der im Entferntesten im Tourismusbusiness mitmischt, in Madrid ist. Da findet die internationale Tourismus-Messe Fitur statt.
Die hatte bei ihrer Gründung im Jahr 1981 sicherlich noch eine Daseinsberechtigung: Damals, als es noch keine Videocalls und digitale Businessnetzwerke gab. Als Anbieter und Verkäufer noch persönlich zueinander finden mussten.
Das taten sie an den Ständen in den Messehallen, vor allem aber abends bei Empfängen und Partys. Am nächsten Morgen erwachte man verkatert, aber mit einer Tasche voller Visitenkarten neuer Geschäftsfreunde. Insofern war die Messegründung ein cleverer Schachzug der Madrider Handelskammer, die so nicht nur ihre Hotels, sondern auch die Bars und Eventlocations füllte.
Vor den eigenen Leuten Präsentationen fragwürdiger Relevanz
Nun ist es heute aber so, dass ein wirklich großer Teil der Balearen-Delegation nach Madrid reist, um dort vor den eigenen Leuten Präsentationen fragwürdiger Relevanz zum Besten zu geben. Mitreißende Vorträge über „Kultur als Schlüssel zur Belebung der Nachsaison“ oder „Felanitx auf dem Weg zu Nachhaltigkeit und Tourismusintelligenz“ locken gar nicht so viele externe Zuhörer an, wie man gemeinhin annehmen sollte.
Eigentlich also mal wieder ein Anlass, der öffentlichen Hand den wohlgemeinten Vorschlag zu unterbreiten, eine B2B-Veranstaltung von und für Mallorquiner einfach im Kongresszentrum von Palma zu veranstalten und so ein paar Hunderttausend Euro Steuergelder einzusparen.
Qualitätstourismus mit Airbnb?
Doch dann der Knaller, gut versteckt im Programm: Die Balaren-Regierung lädt zum Runden Tisch unter dem Titel „Hin zu einem qualitätsorientierten und nachhaltigen Tourismus mit Airbnb.“ Was kommt als nächstes - „Basisdemokratie mit dem Ayatollah”? „Klimaschutz mit ExxonMobil“? „Eloquente Fingerspitzen-Diplomatie mit Donald Trump“?
Ja, man kann (oder sollte) über die Anbiederung an den Platzhirsch in Sachen Ferienvermietung die Stirn runzeln, aber eines muss man den politischen Entscheidern lassen: Das ist nun wirklich eine Veranstaltung, die besser im fernen Madrid stattfindet. Weit weg von der Masse Einheimischer, denen das Wasser in Sachen Mietpreise bis zum Halse steht. Chapeau!
Abonnieren, um zu lesen
- Umweltschützer sprechen von 'Zeitbombe': Mallorca ist im Winter schon voller als Ende der 1990er im Sommer
- Leben und arbeiten auf 822 Metern Höhe: Das Castell d’Alaró auf Mallorca sucht einen neuen Hüttenwirt
- Harte Strafe wegen eines Dutzend Eiers: Vier Schüler auf Mallorca verurteilt, die das Haus der Rektorin bewarfen
- Jetzt auch noch Mode-Ratschläge: Mallorca-Flieger Ryanair empfiehlt Passagieren, auf dieses Kleidungsstück zu verzichten
- Offenbarung des Auslandsvermögens: Das hat sich für Mallorca-Residenten beim Modelo 720 geändert
- Seit Tagen ohne Krankenbett: Warum sich Patienten in Mallorcas größtem Krankenhaus Son Espases in der Notaufnahme stauen
- Sturmtief 'Leonardo' hält Andalusien in Atem: Vermisste in Málaga, Evakuierungen und Zug-Chaos
- Verdacht auf Steuerbetrug: Beamte durchsuchen Räume von großer Bettenbank auf Mallorca
