Meinung
Mallorca, ich will nicht eure Buchten – nur einen Platz am Tisch
Das unsichtbare Zwei-Klassen-System zwischen Einheimischen und Zugezogenen empfindet MZ-Redakteurin Sarah López als zermürbend – selbst als Deutsch-Spanierin, die auf dem Festland geboren und aufgewachsen ist, fühlt sie sich auf der Insel nicht immer zu hundert Prozent willkommen

Die MZ-Redakteurin Sarah López will nicht wissen, wo die geheimen Buchten sind, sondern einen Platz in der Gesellschaft. / DM
Ich habe einen mallorquinischen Freund, spreche Katalanisch, und in meinem Schrank steht sogar ein siurell, wie die traditionellen Tonfiguren der Insel heißen. Und doch werde ich für viele immer eine forastera bleiben, weil ich in Valencia geboren wurde.
Dieses unsichtbare Zwei-Klassen-System bringt mich aus dem Konzept. Dass Einheimische lieber unter sich bleiben, geschieht überall. Aber so konsequent wie auf Mallorca habe ich es selten erlebt. Für mich als zugezogene Deutsch-Spanierin ist es zermürbend, immer wieder zu spüren, wie wenig echtes Interesse mir entgegengebracht wird. Es fühlt sich an, als hätte man einen Stempel auf der Stirn: Freundlich geduldet, aber wir wollen dich nicht weiter kennenlernen.
Und nein, es liegt nicht nur an mir als Person. Dieses Gefühl teilen die meisten Zugezogenen. Viele Einheimische haben ihre Freundschaften fürs Leben längst geschlossen, da ist kaum Platz für neue. Und wenn doch, dann eher für andere Mallorquiner oder zumindest für Menschen, die Katalanisch sprechen. Selbst in Apps wie Bumble Friends, über die man neue Kontakte knüpfen kann, merke ich das: Antworte ich auf Katalanisch, ist die Rückmeldequote deutlich höher. Vielleicht bin ich als Valencianerin auf der Forastera-Skala sogar noch relativ weit oben.
Aber wenn selbst Menschen, die auf der Insel aufgewachsen sind, diesen Stempel tragen – wie soll man als „Auswärtige“ jemals wirklich ankommen? Ich verstehe die Vorsicht. Eine Insel lernt, sich zu schützen. Aber wir sind keine Piraten, die eure Schätze klauen wollen. Wir wollen nicht die geheimen Buchten kennen. Wir wollen nur einen Platz am Tisch.
Spanische Übersetzung
Tengo un novio mallorquín, hablo catalán, incluso tengo un siurell en mi armario, y aun así para muchos siempre seré una “forastera” (págs. 20/21) porque nací en Valencia. Este invisible sistema de clases me desconcierta. Que los locales prefieran quedarse entre ellos sucede en todas partes. Pero de forma tan consecuente como en Mallorca lo he vivido pocas veces.Para mí, como alemana-española que se ha mudado aquí, es agotador sentir una y otra vez el poco verdadero interés que despierto en los mallorquines. Es como si llevaras un sello en la frente: te toleran con amabilidad, pero no quieren seguir conociéndote. Y no, no se trata solo de mí como persona. La mayoría de recién llegados comparten esta sensación. Muchos locales ya tienen suficientes amigos y no tienen tiempo ni ganas de conocer a nuevas personas. Y si lo hay, suele ser para conocer otros mallorquines o, al menos, a gente que hable catalán. Incluso en aplicaciones como Bumble Friends, que sirven para hacer amigos, lo noto: si contesto en catalán, la tasa de respuesta es claramente más alta. Quizá, como valenciana, estoy relativamente arriba en la “escala” de los forasters. Pero si incluso personas que han crecido en la isla llevan ese sello, ¿cómo se supone que una “de fuera” va a llegar a sentirse realmente parte de la isla? Entiendo las razones de la cautela. Una isla aprende a protegerse. Pero no somos piratas que quieran robaros los tesoros. No queremos saber dónde están las calas secretas. Solo queremos un sitio en la mesa.
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