Meinung | Insel(t)räume
Privatklinik oder öffentliches Gesundheitssystem auf Mallorca: Warum ich im Nachhinein an meiner OP zweifle
Eine medizinisch begründete OP – und danach ein wütender Satz im Krankenhaus, der alles kippt: War der Eingriff nötig oder überflüssig? MZ-Kolumnistin Sophie Mono über Privatmedizin, öffentliche Versorgung und bleibende Zweifel

Ein Arzt behandelt eine Patientin auf Mallorca / Redaktion DM
Wie ein wütendes Zischen kommen die Worte aus ihrem Mund: „Wie konnten Sie nur?“ Erschrocken starre ich meine Gynäkologin an. Nein, ich habe nichts Schlüpfriges angestellt. Stattdessen habe ich mich operieren lassen. Nicht aus ästhetischen Gründen, sondern aus medizinischen. Schnippschnapp, weg war ein Teil des Gebärmutterhalses. Krebsvorsorge, aufgrund erhöhter Risikowerte nach einer Biopsie. Absolut notwendig. So hatte es mir zumindest mein Gynäkologe in der Privatklinik gesagt.
„Wieso haben Sie das gemacht? Das war doch total unnütz“, keift die Frauenärztin im öffentlichen Krankenhaus weiter. Bedröppelt schaue ich zu Boden. Wie ein Kind, das sich Schelte einhandelt – und insgeheim denkt: „Ich kann doch nichts dafür“. „Warum gehen Sie überhaupt zum privaten System?“, legt die Medizinerin noch einen drauf. „Weil das öffentliche einen gynäkologischen Vorsorgetermin nur alle zwei Jahre vorsieht“, kontere ich trotzig.
Zwei Systeme - zwei unterschiedliche Vorgehensweisen
Gut zweieinhalb Jahre ist dieser ärztliche Wutausbruch jetzt her. Damals hatte ich erst kurz zuvor mein zweites Kind zur Welt gebracht. Die ganze Schwangerschaft über hatte mir der private Gynäkologe Angst gemacht. Jeder Ultraschalltermin: überschattet vom Bangen darum, ob das risikoreiche Gewebe sich ausgeweitet hat. „Wir müssen operieren. Sobald das Kind auf der Welt ist, müssen Sie unters Messer. Spätestens.“ Monat für Monat predigte mir der in die Jahre gekommene Doktor mit dem abwesenden Gesichtsausdruck in dem vergleichsweise hübschen Behandlungsraum das. Und dass ich auch ja schön jeden Monat wieder einen Termin mache.
Als es dann so weit war, das Kind endlich draußen und ich noch immer unter den Lebenden, griff er wenige Wochen später ein. OP, Nachsorge, immer und immer wieder Untersuchungen. Nur, um sicherzugehen.
Denken Privatärzte wirtschaftlich, anstatt an das Patientenwohl?
Klingt nett. Um mein Wohl bemüht. Doch die wütende Ärztin im öffentlichen Hospital (der Behandlungsraum hier: weniger hübsch. Die Termine: um ein Vielfaches rarer gesät. Dafür: kluge Augen, die mich erbost, aber aufmerksam mustern) lässt Zweifel in mir aufkommen. War das ganze Tamtam des Privatarztes nur Streben nach Geld? Sein Drängen eine Strategie, mich möglichst häufig behandeln zu können – und jedes Mal abzukassieren? Auf Kosten meiner privaten Krankenversicherung – und meiner Angst?
Total abwegig? Nein. Die zwei nebeneinander existierenden Gesundheitssysteme in Spanien kranken. In sich selbst, ihrem Aufbau. Während das private System sich monetär daran bereichert, möglichst viel zu behandeln (und vor allem: viel zu operieren), ist das öffentliche überlastet und fragiler, je mehr es genutzt wird. Zwei gegensätzliche Grundlagen – die Fragen aufwerfen. Werden im privaten System überflüssige Eingriffe gemacht? Und wird im öffentlichen System teils auch dann nicht gehandelt, wenn es eigentlich sinnvoll wäre?
Nicht falsch verstehen: Ich bin keine Ärztin. Ich weiß nicht, ob meine OP „absolut dringend“ oder „total unnötig“ war. Vielleicht war mein Fall einfach nur einer, in dem zwei Mediziner unterschiedlicher Meinung waren – unabhängig davon, aus welchem System sie entstammen. Vielleicht. Aber der Zweifel bleibt.
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