Meinung
Haie im Mittelmeer: Die "gefräßigen Meeresungeheuer" sind andere
Haimeldungen gehen immer – das weiß auch MZ-Kolumnistin Jasmin Hickman. Aber geht das auch ohne Sensationsgier und mit etwas mehr Fachwissen?

Der Weiße Hai (Carcharodon carcharias) kommt äußerst selten im Mittelmeer vor. / BluePlanetArchive.com
Zum Glück ist gerade keine Badesaison, sonst wäre der Aufschrei nach der Sichtung eines zwei Meter langen Blauhais im Hafenbecken von Ibiza noch viel größer gewesen. Für die einen sind solche Nachrichten reine Schreckensmeldungen, für mich ist die Tatsache, dass ein gesundes Tier dieser Größe überhaupt noch in balearischen Gewässern vorkommt, einfach nur ein Segen!
Die fehlerhafte Darstellung der Tiere schadet ihrem Ruf
Eine andere Nachricht streut ebenfalls Salz in die Wunde, oder besser gesagt in die Angst vor dem gefährlichen Raubtier Hai: Die wissenschaftliche Zeitschrift „Acta Ichthyologica et Piscatoria“ meldete einen bestätigten neuen Fund eines Weißen Hais im spanischen Mittelmeer. Dass ein anderes deutschsprachiges Nachrichtenmagazin auf Mallorca diese Meldung aufnahm, freute mich sehr. Traurig war ich allerdings, als ich las, der Weiße Hai sei ein „gefräßiges Meeresungeheuer“. Wirklich jetzt?
Neben der mir oftmals viel zu sensationsgeilen Berichterstattung fehlt mir auch einfach die fundierte Recherche. In der Meldung über den Blauhai vor Ibiza wird plötzlich von Meeressäugern gesprochen. Kurze Klarstellung: Haie sind keine Meeressäuger! Es sind Fische, genauer gesagt Knorpelfische, und sie haben rein gar nichts mit Walen oder Delfinen gemein.
Die größte Bestie ist der Mensch
Pro Tag sterben weltweit circa 270.000 Haie durch die Fischerei, das macht 100 Millionen Haie jedes Jahr. Im Vergleich: Jährlich sterben im Schnitt nur drei bis sieben Menschen durch Haiangriffe weltweit. Da frage ich mich ernsthaft: Wer ist hier das „Ungeheuer“? Ganz sicher nicht der Hai.
Wir Menschen plündern die Meere, als gäbe es kein Morgen mehr. Ohne Rücksicht auf Verluste holen wir heraus, was geht. Absurd ist: Fast 40 Prozent des jährlichen Fischfangs sind toter Beifang, der ungenutzt wieder über Bord geht. Darunter in erster Linie Wale, Delfine, Haie und Schildkröten. Menschen sind also nicht nur extrem „gefräßig“, sondern auch absolut verschwenderisch. Ich würde mir wünschen, dass die Medien bei der Berichterstattung über Haie auf reißerische Ausdrücke verzichten und, statt Urängste und Klickraten in den Fokus zu stellen, mehr Wert auf Aufklärung legen.
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