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Meinung | Der normale Wahnsinn

Taschendiebstähle an der Playa de Palma: Gehen Sie zur Polizei!

Am Ballermann sorgen Diebe für ein großes Unsicherheitsgefühl unter den Touristen – und die Polizei weiß von nichts. MZ-Kolumnist Ingo Wohlfeil fragt: Wie kann das sein?

Ein Ortspolizist an der Playa de Palma.

Ein Ortspolizist an der Playa de Palma. / Ortspolizei

Mich erreichen mittlerweile fast täglich Nachrichten von Playa-Touristen, die beklaut, überfallen oder bedroht werden. 

Andreas schreibt beispielsweise: „Einer hat versucht, mich anzutanzen und hat mich umarmt. Habe ihn aus Reflex weggestoßen, dann hat er von mir abgelassen."

Maxim berichtet, wie er beobachtet haben will, wie vier, fünf Mann Bierkönig-Besucher massiv bedrängt und beklaut haben sollen.

Janica schildert, wie sie mit ihrem Freund direkt vor dem Bierkönig von fünf Männern umzingelt wurde und sie glücklicherweise von anderen Touristen aus dieser Situation befreit wurden.

Peter schreibt, dass er auf dem Weg zum Hotel angegriffen wurde und der Dieb mit einem Butterflymesser bewaffnet war. 

Produzent Oliver Deville schickt mir eine WhatsApp, unmittelbar nachdem er überfallen wurde. Ein Dieb sprang ihn von hinten an, drückte ihn auf den Boden und klaute sein Portemonnaie. „Ich hatte Todesangst.“

Deutsche Urlauber meiden den Gang zur Polizei

Was haben diese Fälle alle gemeinsam? Keiner der erwähnten Personen ging zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Die Gründe dafür sind verschiedener Natur, aber einer sticht hervor: Die deutschen Touristen haben durchaus den Eindruck, dass die Polizei ihre Sorgen nicht ernst nimmt. Hinzu kommen Sprachschwierigkeiten. Also sparen sich die Opfer den Behörden-Gang. Das ist ein großes Problem. 

Nachdem ich alle Touristen-Beschwerden gesammelt habe, wende ich mich an den MZ-Kollegen Patrick Schirmer Sastre, der einen erstklassigen Kontakt zur Polizei hat. Patrick telefoniert mit der Policía Nacional und deren Sprecher ist absolut erstaunt, als Patrick die Erlebnisse der Touristen schildert. Man wisse von rein gar nichts, heißt es. 

Ohne Anzeigen sieht die Polizei keinen Handlungsbedarf

Und das liegt eben am Unwillen der Betroffenen, sich mit der Polizei auseinanderzusetzen. Es werden keine Anzeigen aufgegeben. Und wenn keine Anzeigen aufgegeben werden, existiert dieses Raub-Problem offiziell nicht und die Behörden sehen keinen Handlungsbedarf. 

Deshalb die eindringliche Bitte: Wenn Sie Opfer eines Überfalls oder Diebstahls werden, gehen Sie zur Polizei. Natürlich ist es gut, den Reporter ihres Vertrauens zu informieren oder in ihren Mallorca-Facebook-Gruppen Warnungen zu streuen, aber das ist nicht zielführend, weil es nicht dort ankommt, wo Gegenmaßnahmen vorbereitet werden können. Ich wiederhole es noch einmal: Gehen Sie zur Polizei, so nervig das auch ist. Die anstehende Hauptsaison wird es Ihnen danken.

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