Meinung
Von Madrid bis Mallorca: An dieses Geräusch gewöhnt man sich schneller als gedacht
Um 0.30 Uhr rattert auf Mallorca die Müllabfuhr durchs Viertel – irritierend für deutsche Besucher, völlig normal für Einheimische. MZ-Kolumnistin Sophie Mono erklärt, warum Spanien bei Müll, Glas und Straßenreinigung anders tickt

Die Müllabfuhr in Palma im Einsatz. / Foto: DM/Archiv
Rumpel, rumpel, quietsch. Es ist 0.30 Uhr nachts. Und draußen vor dem Fenster macht die Müllabfuhr gerade ihre Runde. Irritierend für jeden Deutschen, der mich auf Mallorca je besucht hat. Alltag für die Einheimischen. Meine Standardantwort auf die ungläubigen Blicke: „Ja, das ist hier normal.”
Der nächtliche Lärm der Müllabfuhr – wohlgemerkt nicht der Glaskontainerleerung, denn die findet mittags statt –, er ist tatsächlich etwas, an das ich mich nach meiner Auswanderung leicht gewöhnt habe. Vielleicht, weil er mir schon vertraut war aus meiner Erasmus-Zeit in Madrid. Auch dort liefen die Reinigungskräfte zu nächtlichen Hochtouren auf, wenn selbige in Deutschland schon lange ihrem Feierabend frönten.
In Spanien ticken die Uhren anders
Ja, in Spanien darf man auch rund um die Geisterstunde noch Glasflaschen entsorgen. Und warum auch nicht? Immerhin ist dann hier gerade mal die Prime-Time im Fernsehen vorbei und so mancher Einheimischer schluckt um diese Uhrzeit gerade erst den letzten Krümel seiner Tortilla vom Abendessen herunter. Hier ticken die Uhren halt anders.
In Spanien gibt es dafür auch keine Schilder wie jene in meiner deutschen Heimat: Müllentsorgung nur zwischen 7 und 19 Uhr erlaubt. Wegen der Lärmbelästigung. Dafür kommt in Spanien – anders als in Deutschland – aber auch niemand auf die Idee, um Punkt 7 Uhr morgens erst den Braunglas-, dann den Weißglas- und dann den Grünglaskontainer im großen Stil zu leeren. In meinen Ferien. Unmittelbar vor dem Zimmer meines Elternhauses, in dem ich bei meinen Deutschland-Besuchen (aus-)schlafe. Oder eben nicht. Jedes Mal, wenn ich auf Mallorca nach 19 Uhr ganz legal Flaschen wegbringe, muss ich an besagtes Schild denken. Und klirre extra laut.
Die Nachtarbeiter sorgen für blitzeblanke Gehwege
Auch die Putzmaschinen sind in Spanien so etwas, das den Durchschnittsdeutschen zunächst in Erstaunen versetzt, das man dann aber doch schnell zu schätzen weiß. Die erste Begegnung mit ihnen hatte ich einst, während meiner Aupair-Zeit in Bilbao. Genau wie die Müllautos sind auch die Putzmaschinen überwiegend nachtaktive Gefährte. Sehr nachtaktiv! Immer wieder war ich damals versucht, mein kleines Au-pair-Kind anzufeuern, wenn es bei unseren Streifzügen durch die Stadt Lebensmittel auf den Boden fallen ließ – einen saubereren Untergrund für seine Mahlzeiten konnte ich mir schlicht nicht vorstellen.

Mitarbeiter der Emaya-Stadtwerke bei der Containerreinigung im Stadtviertel Pere Garau am Montagmorgen. / B. Ramon
Auf Mallorca kommen die Reinigungskräfte nicht immer hinterher
Zugegeben: Ganz so penibel sind die Putzmaschinen auf Mallorca nicht. Tatsächlich prägten sich bei meinem Cousin, der neulich zum ersten Mal in seinem Leben am Mittelmeer war, nach einem ersten Spaziergang durch Cala Ratjada nicht vorrangig die Traumbuchten mit dem türkis klaren Wasser ein, sondern die Gehwege mit ihren Hundehaufen. Und doch gehört es zum typischen Bild des frühmorgendlichen Palmas dazu, dass die gemusterten, glatten Fliesen der Bürgersteige im Morgengrauen noch rutschiger sind als sonst, weil sie gerade erst aufs gründlichste abgespritzt worden sind. Zu Uhrzeiten, in denen deutsche Müllmänner sich gleich zu Beginn ihres Tagewerks wieder wie besessen an Glaskontainern vergehen – und spanische nach einer langen und glasfreien Nacht müde ins Bett wanken.
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