Meinung | Kommentar
Wer will, dass Palma nach Palma aussieht, sollte beim Nachbarn statt beim Handelsriesen einkaufen
Auch in Palma verschwindet der Einzelhandel, der Viertel lebendig macht: Beratung, Begegnungen, ein Plasuch hier und dort. Wer im Viertel kauft, entscheidet mit, wie die Stadt künftig aussieht, findet MZ-Redakteurin Sarah López

Wenig los in den Einkaufsstraßen von Palma / Ralf Petzold
In Sóller schließen immer mehr Traditionsläden. In Palma ist die Lage vielerorts längst dramatischer: Der Einzelhandel, der ein Viertel lebendig macht, verschwindet – und mit ihm eine Kultur, die mehr ist als nur Versorgung. Denn es hat einen Wert, beraten zu werden, vertraute Gesichter zu sehen, kurz stehen zu bleiben, ein paar Worte zu wechseln.
Manches ist im Einzelhandel ein bisschen teurer. Oft ist der Unterschied aber minimal – erst recht, wenn man die Qualität vergleicht. Vor allem bei Lebensmitteln schmeckt man den Unterschied: Eine empanada, die jemand im Morgengrauen vorbereitet, ist eben etwas anderes als Ware, die in industriellen Öfen aufgebacken wird. Die Zutaten sind häufiger regionaler. Das tut nicht nur dem Viertel gut, sondern auch der Umwelt.
Raus aus den dunklen Zimmern auf die Straße
Trotzdem gewinnt immer öfter die Bequemlichkeit. In halbdunklen Zimmern werden Waren in digitale Einkaufskörbe geschaufelt, statt rauszugehen und mehrere Läden abzuklappern. Wer so einkauft, lernt sein Viertel kennen – man sieht die handgeschriebenen Preisschilder, die selbst dekorierten Auslagen mit ausgeschnittenen Herzen zum Valentinstag. Genau daraus entsteht ein Stadtbild: aus dem Menschlichen hinter Läden, nicht aus Logos, die es in jeder größeren Stadt gibt.
Jaume Roig, der Mercadona-Inhaber, braucht keine neuen Kunden. Jaume Quetglas, der Metzger drei Straßen weiter, schon eher. Und wer möchte, dass Palma nicht nur funktional ist, sondern nach Palma aussieht, muss sich entscheiden, wo er sein Geld lässt: bei denen, die das Viertel prägen – oder bei denen, die überall gleich sind.
Übersetzung ins Spanische
En Sóller cierran cada vez más comercios tradicionales. En Palma, la situación es cada vez más dramática: el pequeño comercio que da vida al barrio desaparece, y con él se va una cultura que es mucho más que simple abastecimiento. Porque tiene valor que te asesoren, ver caras conocidas, pararte un momento e intercambiar unas palabras. En las tiendas de barrio algunas cosas son un poco más caras. Pero a menudo la diferencia es mínima, sobre todo si se compara la calidad. Y en alimentación se nota especialmente: una empanada que alguien prepara de madrugada no tiene nada que ver con un producto que se hornea en hornos industriales. Los ingredientes, además, suelen ser más locales. Eso no solo beneficia al barrio, sino también al medio ambiente. Aun así, cada vez gana más terreno la comodidad. En la penumbra de la habitación se van añadiendo productos a carritos digitales, en lugar de salir y recorrer varias tiendas. Quien compra así conoce su barrio: ve los carteles de precios escritos a mano, los escaparates decorados con cariño, con corazones recortados por San Valentín. De ahí nace una imagen de ciudad: de lo humano que hay detrás de los comercios, no de logotipos que se repiten en cualquier gran ciudad. Jaume Roig, el propietario de Mercadona, no necesita nuevos clientes. Jaume Quetglas, el carnicero tres calles más allá, sí. Y quien quiera que Palma no sea solo funcional, sino que parezca Palma, tiene que decidir dónde deja su dinero: en quienes dan forma al barrio o en quienes son iguales en todas partes.
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