Meinung | Mein Mallorandum
Getrennt, aber verheiratet: Warum „Noch-Frau“ der Ballermann der Sprache ist
Getrennt, aber noch verheiratet – und plötzlich steht dieses Wort im Raum: „Noch-Frau“. MZ-Kolumnist Mirko Perković über ein Provisorium, das wie eine proleptische Demütigung wirkt

Symbolfoto Scheidung / Foto: DM
Wann ist der Mann ein Mann? Grönemeyer findet in seinem Evergreen Antworten. Und wann ist die Ehefrau noch Frau, aber noch nicht Noch-Frau? Ich beobachte das Meer, es hat heute dieses unverschämte Azurblau und flüstert: Es gibt keine Probleme auf der Welt. Außer: Ich bin getrennt; ich bin verheiratet.
In der Heimat, dem Land der manischen Kategorisierung, da gibt es für meinen Zustand ein Provisorium: die „Noch-Frau“. Eine proleptische Demütigung – man klebt ihr ein Verfallsdatum auf die Stirn, bevor die Tinte auf dem Trennungsjahr-Wisch trocken ist. Dieses „noch“ soll ausdrücken: Baustelle, bald wieder auf’m Markt. Viele fragen: Wieso nutze ich dieses Vor-Wort nicht?
Für viele nur ein Wort, das sie ohne Nachdenken benutzen
Linguistisch betrachtet ist jenes „noch“ ein temporales Adverb. Quasi der Ballermann der Sprache – laut, mir zu grölig, ohne Taktgefühl. Wer „Noch-Frau“ sagt, der will vor allem eines: das „Ex“ rasch herbeizitieren, weil der Irgendwo-dazwischen-Status so nicht aushaltbar ist.
Ich weigere mich, nenne sie meine Frau. Ohne Besitzanspruch, ohne reaktionären Eskapismus. Mit Respekt vor der Ontologie unserer Geschichte. Eine Ehe, die zehn Jahre gewachsen ist, ist wie eine Finca im Hinterland von Artà: Die Fensterläden mögen klappern, der Pool mag leer sein, aber das Fundament verschwindet nicht, nur weil man vorübergehend in einem Apartment in Cala Bona lebt und dort Vorsilben etikettiert.
Mallorca ist für uns Auswanderer ein Entre-dos, ein Ort, der davon lebt, nicht ganz hier und nicht mehr ganz dort zu sein. „Meine Frau“ zu sagen, ist (für mich) einfach die ehrlichste Form der Anerkennung dessen, was derzeit ist – und nicht dessen, was weg sein soll. Eine Entscheidung gegen die Unbedachtheit. Ich behalte das Wort „Frau“. Zumindest im Präsens. Und wenn ich bald geschieden bin? Dann sage ich: meine ehemalige Frau.
Herbert, bin ich nun ein Mann, wenn ich nicht „Ex“ sage? Uff! „Ehemalig.“ Wieso steckt da eigentlich das Wort „Ehe“ drin?
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