Meinung | Strandgeflüster
"Wir haben hier keine Schafstoilette": Warum es nicht immer so leicht ist, auf Mallorca einen Immobilienkäufer zu finden
MZ-Kolumnistin Jasmin Hickman gibt einen Einblick in ihre persönliche Hitparade der skurrilsten Hausbesichtigungen

Schafe sind niedlich. Aber nicht jeder weiß, dass sie keine Toilette benutzen können. / Pere Joan Oliver
Ein Haus auf Mallorca zu verkaufen, kann dazu führen, dass man den Glauben an die Menschheit verliert. Etwas übertrieben meinen Sie? Dachte ich auch, bis die ersten Besichtigungen losgingen. Mittlerweile führen mein Mann und ich eine Best-of-Liste der skurrilsten Begegnungen.
Mitten in die Schafsködel getreten
Unangefochten an Platz eins steht ein Paar aus Dänemark. Trotz meiner Bedenken wollte die Dame mit ihren frisch polierten Ballerinas und ihrem adretten Kostüm unseren Wald sehen. „Sind das Schafe dort drüben?“, fragte sie erstaunt. „Ja! Wir teilen uns die Herde mit unserem Nachbarn. Sie sind nicht nur dankbare Resteverwerter für unseren Biomüll, sondern halten auch den Wald von Gestrüpp sauber“, antwortete ich. Die vornehme Dänin richtete ihren Blick auf den Waldboden und rief erschrocken: „Oh Gott, machen die Schafe etwa hier hin?“ Ich brauchte ein paar Minuten um zu verstehen, was genau das Problem war. Ihr „Problem“ war braun, rund und etwa ein Zentimeter im Durchmesser – Schafsködel. „Ja, leider haben wir noch keine Schafstoilette“, sagte ich höflich und versuchte eine ernste Miene aufzulegen. Dass das Paar aus Dänemark unser Landhaus nicht gekauft hat, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.
Angst vor Gewittern und Stürmen
Platz Nummer zwei in unserem Besichtigungs-Ranking nimmt ein Paar aus London ein. Es war ein Herbsttag. Am Horizont bäumten sich große dunkle Wolken auf. Wir standen auf der Terrasse und blickten Richtung Berge. „Es ist wirklich traumhaft hier mit einem Glas Rotwein in der Hand zu stehen und das Wetter zu beobachten. Besonders wenn ein Sturm aufzieht und Blitze den Nachthimmel erleuchten“, schwärmte ich. Die englische Lady blickte mich mit angsterfüllten Augen an: „Wie, es gibt hier Gewitter mit richtigen Blitzen?“ Mist, ich habe mal wieder voll ins Fettnäpfchen getreten. Und weil ich schnell merkte, dass dieses Paar ganz sicher nicht der neue Eigentümer wird, erzählte ich ausschweifend von unglaublichen Stürmen und Blitzen, die direkt neben unserem Haus einschlugen sowie Donnergeröll, das die Wände erzittern ließ.
Die Liebe zum Auto geht über alles
Und jetzt kommt der Grund oder besser gesagt der Kunde, der mich wirklich an der Menschheit hat zweifeln lassen. Ich freute mich auf den älteren Herrn, denn ich wusste, dass er mit seiner chinesischen Frau eine internationale Schule in mehreren Ländern gegründet hat, die Umwelt, Natur, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit in den Fokus des Unterrichts stellt. Endlich jemand mit dem man auf einer Wellenlänge ist – glaubte ich, bis ich das laute Röhren eines Sportmotors hörte. Im nigelnagelneuen Porsche fuhr er durch unsere Auffahrt. Und bereits nach zehn Minuten sagte er: „Das Grundstück ist zwar traumhaft, aber die Zufahrt geht nicht – da habe ich zu große Angst, einen Kratzer in mein Auto zu fahren!“ Ich war fassungslos. Nicht darüber, dass der Herr einen Porsche fährt, sondern über seine Prioritätensetzung: Auto vor Haus. Und natürlich die offensichtliche Scheinheiligkeit mit der solche Menschen durchs Leben gehen.
Bald startet eine neue Besichtigungssaison. Ich bin gespannt, wer sich noch alles in unsere Hitliste einreiht.
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