Zum Hauptinhalt springenZum Seitenende springen

Meinung | Mein Mallorandum

Mallorca und die Bierpreise: Was der Caña-Index über die Insel verrät

Der Big-Mac-Index war gestern. Wer die Kaufkraft auf Mallorca verstehen will, schaut auf den Preis für ein kleines Zapfbier – den Caña-Index, findet MZ-Kolumnist Mirko Perković

Ein Wirt serviert eine caña.

Ein Wirt serviert eine caña. / Nele Bendgens

In Restaurants, Bars, Xiringuitos: so viel? Für ein kleines Bier? Caña! Oder: „Kann ja nicht“?

Neulich kam sie mir. Die Erleuchtung! Die Erinnerung. An die Schulzeit! Erdkunde, Klasse 10. Overheadprojektor. Big-Mac-Index!

Die Logik dahinter? Kaufkraftparität. Ein Big Mac wird weltweit identisch produziert. Ergo: der perfekte Maßstab. Für den realen Wert des Geldes. Kostet das Teil in der Schweiz sieben Euro und in Polen drei, weiß man, was die eigene Knete wert ist. Eine simple Kennzahl. Für eine komplizierter werdende Welt.

Der Caña-Index für Mallorca

Warum man hierzurinsel dringend einen „Caña-Index“ braucht? Mallorca, du ökonomisches Laboratorium für Preissetzungsmacht. Ich jedenfalls messe die Insel-Realität nur noch an diesem standardisierten Glas Zapfbier: zwei Euro, höchstens.

Die Realität? Cala Millor, direkt am Paseo: 2,50 Euro. Für 0,3 Liter. Moderat, man hat noch nicht das Gefühl, im Alleingang die Promenade zu refinanzieren.

Cala Ratjada. Hafen! Die bernsteinfarbene Erquickung mutiert zum Luxusgut. 3,60 Euro. Natürlich: Der Wirt wird die Pacht für die erste Meereslinie anführen. Ökonomisch aber ist das nur die halbe Wahrheit. Der „Port“-Preis ist die Ausnutzung eines lokalen Monopols. Weil Wirte wissen: Die Nachfrage ist unelastisch. Wer einmal sitzt, der bleibt. Man zahlt sie. Die Gebühr. Für den Standort.

Wo der wahre Wettbewerb herrscht

Die ökonomische Wahrheit hingegen? Findet man woanders. In Gassen-Bars. Wo im Winter Einheimische einkehren. Hier herrscht wahrer Wettbewerb. Mallorquiner sind „Rational Choice“-Kunden, kennen die Marktpreise. Erhöhungen? Abwanderung! Zur Konkurrenz. Deshalb: Die Caña kostet exakt zwei Euro – inklusive Oliven, Nüsse, Chips. 

Ein Gleichgewichtspreis. Er zeigt, wenn man den touristischen Standortvorteil herausrechnet, den Produkt-„Wert“.

Die Zwei-Euro-Caña ist die letzte Bastion. Die der ökonomischen Vernunft. Wer mehr zahlt? Kauft kein Bier mehr. Er subventioniert die eigene Trägheit.

Besser: die räumliche Arbitrage nutzen. 50 Meter laufen, zwei Euro auf den Tresen knallen, den Rest in Tapas investieren. Am Ende ist die teurere Caña eine Bequemlichkeitssteuer. Muss man sich erst einmal leisten können.

Abonnieren, um zu lesen

Tracking Pixel Contents