Meinung | Der normale Wahnsinn
Warum der Nahostkrieg Mallorca zum Krisengewinner machen könnte
Schon jetzt sind die Folgen des Nahostkriegs auf Mallorca angekommen. Die Insel gilt vielen Urlaubern als verlässlicher Rückzugsort – und könnte vor einer neuen Rekordsaison stehen vermutet MZ-Kolumnist Ingo Wohlfeil.

Sonntagabend an der Playa de Palma – den Urlaubstag auf Mallorca entspannt am Strand ausklingen lassen / Clara Margais/dpa
Sollte sich irgendjemand Sorgen um die anstehende Saison gemacht haben, so sind die allerspätestens seit dem vergangenen Wochenende verraucht. So wie US-Botschaften in Nahost. Es steht uns eine echte Rekordsaison ins Haus. Krieg sei Dank.
Spanien ist die entspannte Alternative
Mallorca ist Krisengewinner. Mal wieder. Damals im Arabischen Frühling, Anfang der Zehner-Jahre, war es auch schon so. Mallorca wurde förmlich überrannt von Menschen, die sich nicht mehr nach Ägypten oder Tunesien trauten. In der Türkei bombte die PKK und sorgte für Angst und Schrecken. Nach Saudi-Arabien wollte sowieso niemand von gesundem Menschenverstand und der Tourismus in Dubai, Bahrein oder in den Vereinigten Arabischen Emirate steckte noch in den Transformations-Schuhen: Weg vom Öl hin zum dekadenten Luxus-Tourismus. Dieser in den letzten zehn Jahren entstandene „Arab-Boom“ – eigentlich noch längst nicht auf dem Höhepunkt - wurde nun durch Raketen des Iran pulverisiert. Und je länger der Krieg gegen den Iran dauert, desto wackeliger wird das neue Geschäftsmodell der Wüstenvölker.
Als entspannte Alternative präsentiert sich da einmal mehr Spanien. Demokratie, Rechtsstaat, Frieden, Frauenrechte, „echte“ Natur, gewachsene Kultur, moderate Preise, freundliche Menschen, die keine Lust auf einen Bückling vor der Politik eines erratisch-planlosen US-Präsidenten haben. Anders sind die Jubelstürme, die dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez in den sozialen Medien entgegenschlugen, nicht zu erklären. Sánchez verbot der US-Air-Force die Nutzung heimischer Militärbasen. Spanien unterstütze den Angriffskrieg der USA und Israels ausdrücklich nicht und zweifele auch dessen Rechtmäßigkeit an.
Klare Haltung und neue Reiseziele
Sánchez dürfte sich darüber hinaus an den 11.März 2004 erinnern, als Radikal-Islamisten Bombenanschläge auf Züge in Madrid verübten. 193 Menschen wurden dabei ermordet, über 2.000 verletzt. Der Anlass für die Attentate war das spanische Engagement im Irak und Afghanistan-Krieg. Diesmal wolle man sich keinesfalls mit fadenscheinigen Begründungen in einen Konflikt hineindrängen lassen.
Das ist eine klare Haltung, die durchaus auch bei Menschen ankommen dürfte, die bis vor kurzem noch die Emirate als Non-plus-Ultra-Urlaubsziel oder Wohnort anpriesen. Trotz Scharia, Autokratie und Maximal-Bigotterie. Aber wenn Steuerfreiheit das Maß aller Dinge ist, sind bekanntlich Abstriche in Sachen Menschenrechte und Meinungsäußerung hinnehmbar. Der Spaß hört allerdings auf, wenn Kamikaze-Drohnen oder Ultraschall-Raketen ins Spiel kommen. Dann suchen knapp 20 Millionen internationale Urlaubsgäste (so viele waren es 2025 alleine in Dubai) plötzlich einen neuen Hotspot.
Mallorca als Sorglos-Destination
Und auch was die WM angeht, sind Mallorca-Besucher auf der sicheren Seite. Hier können Sie mit vielen Landsleuten die Spiele der Deutschen Nationalmannschaft auf Großbildleinwand am Strand schauen ohne Angst vor Narco-Kriegen haben zu müssen oder zu fürchten, sofort aus einem Land verwiesen zu werden, bloß weil Sie sich vor Jahren mal über dessen Präsidenten lustig gemacht haben. Auf den Balearen braucht es nicht einmal ein Visum, um ins Land zu kommen.
Schon jetzt sind die Auswirkungen des Krieges in Nahost auf der Insel zu spüren: Die Nachfrage steigt massiv, die Flugpreise ziehen an ebenso die Hotelpreise. Es wird wohl alles noch teurer. Doch mich würde es nicht wundern, wenn trotz Preisschraube dieses Jahr erstmals die 20-Millionen-Besucher-Marke auf den Balearen überschritten würde.
Wenn woanders gekämpft wird, schmeckt auf Mallorca der Wein besonders süß. Es ist genug für alle da. Aber kommen Sie bitte nicht auf die Idee, nach zwei Wochen Urlaub das Appartement in Dubai gegen eines auf Mallorca einzutauschen. Da hört der Spaß dann auch auf der Insel auf.
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