Meinung
Boykott im Kühlschrank: Wer Mallorcas Milchbauern fallen lässt, verdient nicht, dass man sein Bier trinkt
Das Aus von Agama wirft viele Fragen über den Sinn oder Unsinn unseres Wirtschaftssystems auf, meint Alexandra Wilms. Und findet: Es sollte Folgen haben

Leckere Inselmilch: Produktion in der Molkerei Agama auf Mallorca. / Manu Mielniezuk
Gleich vorweg mal ein schockierendes Geständnis: Ich trinke meinen Kaffee gerne mit Milch. Also, der von Kühen. Gar nicht unumstritten, ich weiß, aber schmeckt mir einfach nach wie vor besser als die vielen pflanzliche Varianten.
Um das schlechte Öko-Gewissen wenigstens ein bisschen zu beruhigen, kam deshalb in den vergangenen Jahren die lokale Variante von Agama in den Einkaufswagen. Unterstützung der heimischen Wirtschaft und so weiter, da weiß man wenigstens, wo es herkommt, und zwar von um die Ecke.
Gut designte Tetrapacks voller leckerer Inselmilch
Dafür führte der Weg durch das Milchregal dann auch zähneknirschend an vielen anderen, deutlich billigeren Marken vorbei, um bei den hübschen weiß-grünen Kartons (Fettarm) zu stoppen, gefüllt mit schlicht und gut designten Tetrapacks voller leckerer Inselmilch.
Dass die katalanische Firma Damm, zu dem Agama gehört(e), den mallorquinischen Milchbauern und -Konsumenten jetzt den Hahn zudreht, macht milchsauer. Und zwar in vielfacher Hinsicht: Noch ein Sargnagel im ohnehin ums Überleben ringenden Landwirtschaftssektor der Insel. Noch ein lokales Produkt weniger im Regal. Noch ein Beispiel für die Funktion unserer (Markt-)Wirtschaft, die einem die Haare zu Kopf stehen lassen (wie kann es ernsthaft sein, dass von weit weg auf die Insel transportierte Milch billiger ist, als die von vor Ort?).
Noch ein gebrochenes Versprechen
Noch ein aus Gewinnstreben gebrochenes Versprechen (die letzte, mit unser aller Steuergeldern finanzierte Millionensubvention war daran geknüpft, die mallorquinische Milch noch auf Jahre weiter in Getränkekartons fließen zu lassen). Noch ein Beispiel einer Firma, die gerne und erfolgreich mit dem Image der Insel für sich wirbt (siehe all die hart an Kitsch grenzenden Werbespots der Biermarke Estrella Damm), deren Leute dann aber einfach fallen lässt.
Was bleibt einem als halbwegs bewusster Konsument? Damm boykottieren. Dann steht im Kühlschrank künftig nicht nur keine Inselmilch mehr – sondern auch anderes Bier. Dabei ist ausgerechnet das alkoholfreie des vermaledeiten Unternehmens mein absoluter Favorit.
Ja, Damm wird das kaum beeindrucken. Aber irgendwo muss man ja anfangen.
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