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Meinung

Kulturhauptstadt der Herzen: Palma muss jetzt zeigen, wie man mit Würde und Anstand verliert

Die Kandidatur für den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2031" mag vor dem Finale gescheitert sein. Doch die Stadt kann daraus viel Positives ziehen, wenn sie am Ball bleibt, meint Kultur-Redakteurin Brigitte Rohm

Der Bürgermeister Jaime Martínez und sein Team für Palma 2031.

Der Bürgermeister Jaime Martínez und sein Team für Palma 2031. / Rathaus Palma

Schon vor der Zielgeraden ausgebremst: Palmas Kandidatur für den Titel Europäische Kulturhauptstadt 2031, die unter dem schwungvollen Motto "Mediterrània in Motion" lief, ist ebenso wie jene von vier anderen spanischen Städten vor der Endrunde gescheitert. Woran es nun gelegen hat, dass die Bewerbung offenbar keine Freudensprünge bei der Bewertungskommission in Madrid auslösen konnte, wird man in den kommenden Tagen genauer mutmaßen können – dann soll der bis zum Schluss geheim gehaltene Inhalt des Projekts, der in einem 60-seitigen Dossier übergeben wurde, im Detail bekannt gegeben werden.

Davon zu sprechen, dass der Karren an die Wand gefahren wurde, würde aber wohl zu weit gehen. Man könnte höchstens infrage stellen, warum der Karren überhaupt am Rennen teilnehmen musste. Denn wie selbst Bürgermeister Jaime Martínez in der versöhnlichen Pressemitteilung nach dem Ausscheiden einräumte: Palma ist "mit oder ohne Nominierung bereits eine große Kulturhauptstadt – im Mittelmeerraum, in Europa und in der ganzen Welt." Muss ein Popstar mit noch mehr Musikpreisen überhäuft werden, muss der Einserschüler wirklich noch um die Eins Plus im Zeugnis kämpfen?

Wenn die Stadt eines nicht ist, dann ein "Underdog"

Palma kann sich auf den Lorbeeren seines reichen Kulturerbes – Kathedrale, Llotja, Almudaina-Palast, Castell de Bellver, top erhaltene historische Altstadt und und und – ausruhen, und macht die kulturinteressierten Bürger und Besucher zudem noch mit einem ebenso reichen Programm an Kulturevents wie Konzerten und Ausstellungen glücklich.

Doch im Gegensatz zu Städten wie Cáceres oder Oviedo, die es nun ins Finale geschafft haben, liegt Palma bekanntlich auf einer vom Tourismus übersättigten Insel. Und so sehr die Befürworter der Initiative Palma 2031 auch betonten, dass es nicht darum gegangen sei, noch mehr Urlauber nach Mallorca zu holen, sondern darum, ihr Profil zu verändern – wie etwa Kulturstadtrat Javier Bonet im Interview mit der MZ ausgeführt hatte –, man kann den Mitbewerbern, die es geschafft haben, wahrlich gönnen, nun international mehr auf dem Radar zu sein.

Gut möglich, dass es vor allem die gefestigte Position Palmas als an Kulturangeboten reiche Urlaubs-Destination war, die am Ende zur Achillesferse wurde. Denn wenn die Stadt eines nicht ist, dann ein "Underdog", den noch niemand auf dem Schirm hatte. Kandidaten, die größeres Potenzial haben, sich zu entwickeln, die vielleicht mehr auf kulturelle Partizipation und auf alternative, von den Bürgern angetriebene Projekte zur Stadtentwicklung setzen als auf große, aufsehenerregende Statements wie den Kauf des Gesa-Gebäudes oder das Mega-Miró-Ausstellungsquartett im vergangenen Jahr, könnten in den Augen der Bewertungskommission erfrischender und spannender gewesen sein.

Das Expertenkomitee beim Trost spendenden Wort nehmen

Dass die Vertreter des Rathauses trotzdem ein positives Fazit ziehen, muss man jedoch nicht unter Schönreden verbuchen. Und das Expertenkomitee, das betonte, die Arbeit sei nicht umsonst gewesen, sondern "eine solide Grundlage für die zukünftige kulturelle Entwicklung der Städte", darf man ruhig beim Trost spendenden Wort nehmen. Schon Javier Bonet bekräftigte vor einem Jahr im Gespräch: "Wir haben eine Reihe von Investitionen geplant, die wir umsetzen wollen, ob wir Kulturhauptstadt werden oder nicht. Und wir tun das nicht, um Kulturhauptstadt zu werden, sondern weil wir glauben, dass diese Investitionen notwendig sind."

Laut offiziellen Angaben könnten sich diese im Laufe des nächsten Jahrzehnts auf 275 Millionen Euro belaufen. Neben dem Umbau des Gesa-Gebäudes, in dem ein neues Zentrum für Kultur und Innovation entstehen soll, gehört dazu unter anderem auch das geplante Stadtinformationszentrum an der Plaça Major. Bürgermeister Jaime Martínez versicherte nun erneut, dass der eingeschlagene Weg der Transformation fortgesetzt werden soll. Wenn die Stadt hält, was sie verspricht, sich als Verlierer mit Würde und Anstand erweist und den Schwung der Kandidatur weiterhin nutzt, um kräftig in die Kultur zu investieren und Palma nicht nur für die Urlauber, sondern vor allem auch für die Bürger attraktiver zu machen, wäre das ein mehr als akzeptabler Trostpreis.

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