Meinung
Die Stadtverwaltung ist für das Drama im alten Gefängnis von Palma selbst verantwortlich
Seit der Übergabe an die Stadt Palma im Jahr 2013 war das ehemalige Gefängnis von Improvisation geprägt. Am Ende wurde die verlassene Festung zur Unterkunft für Obdachlose und zum Symbol kommunaler Verantwortungslosigkeit

Ein Beamter der Feuerwehr von Palma im alten Gefängnis. / B. Ramón
Die Verwaltung des ehemaligen Gefängnisses von Palma war von Anfang an von Improvisation und Desinteresse geprägt, seit die Strafvollzugsbehörde das Gebäude im Jahr 2013 an die Stadt Palma übertrug. Die Verwaltung übernahm damals Eigentum und Verwaltung einer Immobilie, die 1954 als Gefängnis eröffnet und 1999 geschlossen worden war, die in einigen Teilen vom Einsturz bedroht sein mochte, die zugleich aber so unzugänglich war, wie ein Gefängnis es eben ist.
Und dann beschloss man, in einer ihrer Mauern – im Carrer Leocadia de Togores – ein großes Tor zu öffnen. Und zwar, damit es zum Zugang zu einem Zentrum kulturellen Schaffens werden sollte, das nie zustande kam. Doch diese Idee, das spätere Vergessen seitens der Stadtverwaltung und die zunehmende Wohnungsnot in Palma taten ihr Übriges: Sie verwandelten das, was immer noch eine Festung war, in ein Sieb.
Zufluchtsort für die Ausgegrenzten
Nach und nach wurde das alte Gefängnis zur letzten Zuflucht für Ausgegrenzte, für Obdachlose, für Arbeitnehmer, deren Lohn nicht ausreicht, um eine Wohnung oder ein Zimmer zu mieten. Es war das Jahr 2021. Auch das Projekt, in dem ehemaligen Gefängnis ein Studentenwohnheim zu errichten, war bereits verworfen worden. Und die Stadt schenkte der Immobilie nicht die geringste Aufmerksamkeit, obwohl sie bereits voller Müll war, häufig kleinere Brände ausbrachen und ihre neuen Bewohner sogar die ehemaligen Wachtürme besetzten, um ein wenig mehr Sicherheit zu haben.
Diese Besetzung nahm immer weiter zu und führte zu Sicherheitsproblemen in der Nachbarschaft. Die Anwohner schlossen sich zusammen, brachten ihre Beschwerden vor und forderten eine Lösung. Die Stadt schenkte diesmal tatsächlich dem, was dort geschah, Aufmerksamkeit, als sie wegen ihrer Untätigkeit in die Kritik geriet. Und man kündigte eine Räumung an, noch bevor überhaupt ein Plan ausgearbeitet worden war, um für die Obdachlosen eine Lösung zu finden, wenn auch nur vorübergehend.
Verantwortungslos
Die meisten sozialen Einrichtungen prangerten diese Verantwortungslosigkeit an. Man kann den Ausgegrenzten nicht in so schamloser Weise das geringste Maß an Verständnis verweigern und ihre Lebensumstände missachten, indem man sie obendrein als Kriminelle abstempelt. Das geht zu weit, bedeutet, den sozialen Charakter unseres demokratischen Systems zu vergessen. Und vor allem den Grundsatz, dass Freiheit und Gleichheit nicht real sind, wenn die Grundbedürfnisse eines Menschen nicht gedeckt sind.
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