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Meinung | Kommentar

Deepfakes und deutsche Überheblichkeit: Hallo Männer, heute schon Selbstkritik geübt?

Wenn es um den Umgang mit Gewalt gegen Frauen geht, ist Spanien Deutschland einiges voraus. In beiden Ländern braucht es aber vor allem eins: mehr Selbstreflektion der Männer, findet MZ-Redakteurin Sophie Mono

Reflektion und Selbstkritik steht auch Männern gut

Reflektion und Selbstkritik steht auch Männern gut / Pixabay / Waseem Khan

In manchen Dingen hinkt Spanien hinter nord- und mitteleuropäischen Ländern hinterher. In Umweltfragen beispielsweise. Oder wenn es um Nachhaltigkeit geht. Andere Themen machen Spanien derzeit zum Vorreiter: Pedro Sánchez gilt als größter Trump-Kritiker Europas im Irankrieg. Und dass Spanien vielen anderen Ländern beim Thema Geschlechtergewalt klar voraus ist, macht spätestens der Deepfake-Skandal um Collien Fernandes deutlich.

Wenn es darum geht, Gewalt gegen Frauen zu benennen, ernst zu nehmen und systematisch zu ahnden, kann Deutschland sich von Spanien eine dicke Scheibe abschneiden. Warum ist das so? Möglich, dass dem eine gewisse deutsche Überheblichkeit zugrunde liegt. Fürs Klima kämpfen, für mehr erneuerbare Energien und weniger Fleischkonsum ist eine Sache. Gegen die eigenen, tief in der Gesellschaft verankerten Abgründe zu kämpfen, eine ganz andere.

Nicht falsch verstehen: Spanien ist sicherlich nicht weniger patriarchalisch geprägt als Deutschland. Aber Spanien – oder zumindest ein großer Teil der Gesellschaft – scheint besser darin zu sein, Selbstkritik zu üben und von der Politik strenge Gesetze einzufordern. Dass Frauen auch digital sexuell erniedrigt, misshandelt, vergewaltigt und belästigt werden, ist nicht die Schuld der KI, sondern derjenigen, die sie dafür verwenden. Und ja, das sind vor allem Männer. Doch genau sie braucht es bei diesem Kampf: Männer, die ihre eigenen Denk- und Handlungsmuster hinterfragen, ihre Stimme erheben. Nicht nur im stereotypen „Macho“-Spanien. Auch im fortschrittlichen Deutschland.

Übersetzung ins Spanische

En algunos ámbitos, España sigue yendo por detrás de los países del norte y centro de Europa. Ocurre en materia medioambiental o de sostenibilidad. Pero en otros asuntos se ha situado a la vanguardia. Pedro Sánchez está considerado hoy el mayor crítico europeo de Trump en la guerra de Irán. Y que España aventaja con claridad a muchos otros países en la lucha contra la violencia de género queda de manifiesto con el escándalo de los deepfakes en torno a Collien Fernandes.

A la hora de nombrar la violencia contra las mujeres, tomársela en serio y castigarla de forma sistemática, Alemania haría bien en tomar nota de España. ¿Por qué? Tal vez influya cierta soberbia alemana. Defender el clima, apostar por más energías renovables o reducir el consumo de carne es una cosa. Enfrentarse a los propios abismos, profundamente incrustados en la sociedad, es otra muy distinta.

España no es, sin duda, menos patriarcal que Alemania. Pero España —o al menos una gran parte de la sociedad— parece ser más capaz de hacer autocrítica y de exigir a los políticos leyes estrictas. El hecho de que las mujeres sean humilladas sexualmente, maltratadas, violadas y acosadas también en el ámbito digital no es culpa de la IA, sino de quienes la utilizan con esos fines. Y sí, se trata sobre todo de hombres. Pero son precisamente ellos los que se necesitan en esta lucha: hombres que cuestionen sus propios patrones de pensamiento y de actuación, que alcen la voz. No solo en la España estereotípicamente „machista“. También en la Alemania „progresista“.

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