Meinung | Strandgeflüster
Mallorca will grüner werden – doch in Sóller qualmen weiter die Feuer
MZ-Kolumnistin Jasmin Hickman fragt sich, warum es auf der Insel immer noch erlaubt ist, Gartenabfälle im großen Stil zu verbrennen?

Rauchschwaden über dem Sóller-Tal, verursacht durch die Verbrennung von Gartenabfällen / Joan Mora
Ende April hört man bei uns am Berg eine ganz besondere Melodie: den Gesang der Motorsägen. Begleitet wird das Konzert von dichten Rauchschwaden der vielen Feuer. Jeder versucht, noch so viel wie möglich zu beschneiden, und natürlich zu verbrennen, denn das ist offiziell nur noch bis zum 30. April erlaubt. Dann beginnt die Waldbrandsaison, und bis zum 15. Oktober ist jedes offene Feuer im Freien verboten.
Das Tal von Sóller war in den letzten Jahren immer wieder in den Schlagzeilen, weil die Feinstaubbelastung mit 9,28 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt fast doppelt so hoch war, wie von der WHO empfohlen. Die vielen Kamine und der Autoverkehr seien schuld, behauptete die Behörde von Sóller. Deshalb wurde im Ortskern von Sóller am 27. Februar 2026 eine Umweltzone eingerichtet. So soll der Verkehr im historischen Zentrum reduziert werden. Und damit, so hoffen die Behörden, auch die Feinstaubbelastung. Mietwagen, Touristen und nicht registrierte Fahrzeuge sind nicht mehr im Ortszentrum erlaubt – Verstöße werden mit bis zu 200 Euro geahndet.
Umweltzone in Sóller – aber Gartenabfälle werden weiter verbrannt
Weiterhin erlaubt bleibt aber das Verbrennen der Gartenabfälle in den Wintermonaten. Bei dieser Praxis entstehen nicht nur Feinstaub und Rauch, sondern auch giftige Schadstoffe wie Dioxine, die Lunge und Herz-Kreislauf-System schädigen und krebserregend sein können. Ein Kilogramm verbrannter Gartenabfall im Freien belastet die Umwelt so stark wie eine Tonne in einer modernen Müllverbrennungsanlage!
Ich dachte, Mallorca setzt zunehmend auf ein grünes Image. Dazu gehört aber meines Erachtens auch ein Bewusstsein für Luftverschmutzung und Klimawandel.
Hier muss ein Umdenken stattfinden und den Landbesitzern sollte eine Alternative angeboten werden. Die Stichworte sind Kompostieren, Häckseln und eine Grünschnittentsorgung über Komposthöfe und bereitgestellte Biotonnen – das Abfackeln ist jedenfalls keine geeignete Lösung!
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