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Meinung

Richtig kühles Nass statt lauwarme Brühe: Ein Lobgesang auf das frühe Bad im Meer auf Mallorca

Der frühe Badegast fängt die Erfrischung: Warum sich die Überwindung lohnt, jetzt schon ins Wasser zu hüpfen

Kristallklares Wasser lädt zum Schwimmen ein: ein Felsstrand auf Mallorca.

Kristallklares Wasser lädt zum Schwimmen ein: ein Felsstrand auf Mallorca. / Simone Werner

Die Temperaturen steigen unaufhaltsam. Und blendet man einmal die abendliche und nächtliche Abkühlung aus: Auf Mallorca liegt schon ein Hauch von Sommer in der Luft. Mit ihm weht eine leise Stimme ins Ohr, die flüstert: "Es wird Zeit zum Anbaden..." Sollte man auf sie hören? Den Sprung ins buchstäblich kalte Wasser wagen? Die Meerestemperatur pendelt sich derzeit auf etwa 18 Grad ein, das klingt doch eigentlich halbwegs machbar.

Ein wenig beherzt muss man natürlich dennoch sein, wenn man eigentlich zur Gattung "Frostbeule" zählt. Heißer Tipp: Wir befinden uns in dem kurzen Zeitfenster, in dem die Grenze zwischen Wander- und Badesaison verschwimmt. Eine gute Strategie, um den Schweinehund zu überwinden, lautet also, zuerst eine Küstenwanderung zu unternehmen und dann – als Belohnung nach der Anstrengung – ein erquickendes Bad in einer Bucht zu nehmen.

"Eins, zwei, zweieinhalb, zweidreiviertel... Na gut, drei!"

Am Anfang bitzelt es an den Zehen, die berüchtigte "Bauchnabelgrenze" ist die schwierigste Hürde. Auf drei: Eins, zwei, zweieinhalb, zweidreiviertel... Na gut, drei! Und dann ist man drin. Lässt vielleicht einen kurzen, übertrieben dramatischen Schrei los. Spürt, wie sich der Kälteschock schon nach wenigen Minuten verflüchtigt und allmählich in belebende Badewonne verwandelt.

Wer im Frühling im Meer von Mallorca schwimmen geht, wird für seinen Mut mit einer Reihe von angenehmen Nebeneffekten belohnt. Das Wasser ist zu dieser Zeit im Jahr wahrhaftig kristallklar und türkisblau-karibisch – die Gewässer mussten nach der Winterpause nicht der heruntergewaschen Sonnencreme von Millionen von Urlaubern standhalten, noch ist das Wasser sauber und schlierenfrei. Wenn man Glück hat, findet man noch Buchten und Strände, die nicht völlig überfüllt sind – obwohl die "Instagram-Bucht" Caló des Moro mitunter auch schon im Mai aus allen Nähten platzte.

Vor allem aber ist das Bad dieser Tage noch das, was es sein sollte: eine echte Erfrischung. Aufgeheizt von dem bereits kräftigen Brutzeleffekt der Sonne gibt es nichts Besseres (befolgen Sie übrigens den Rat einer hellhäutigen Auswanderin, die sich im Mai ihre schlimmsten Sonnenbrände zugezogen hat und unterschätzen Sie die Kraft der Strahlen nicht!). Spätestens im Juli / August wird das kühle Nass nur noch eine blasse Erinnerung sein, wenn wir uns mit einem Schwarm von Einheimischen und Urlaubern kollektiv in einer lauwarmen Brühe winden als wären wir Aale in Salzlake.

Veränderungen schleichen sich in den "ewigen Kreislauf" ein

Auch wenn man nach ein paar Jahren auf der Insel den Eindruck gewinnt, sich in einem ewigen Kreislauf zu befinden aus "Anbaden – im Warmwasser dümpeln – die wieder kühlere Erfrischung im Herbst bis zuletzt ausreizen": Fast unmerklich schleichen sich Veränderungen in dieses Gleichgewicht ein. Die Annahme, dass Mallorquiner das kalte Wasser scheuen, und man mit Urlaubern und Auswanderern vorerst allein die Strände bevölkert, scheint etwa nicht mehr uneingeschränkt zu gelten. Ein halbmallorquinischer Kollege sah in seiner Kindheit selten Einheimische vor Juli baden gehen, und hat nun den subjektiven Eindruck, dass es immer mehr von ihnen immer früher ins Meer zieht.

Hinzu kommt: Die Wassertemperatur im westlichen Mittelmeer war 2025 so früh im Jahr so hoch wie noch nie. Die vom Klimawandel befeuerte, immer schnellere Erwärmung ist laut Wissenschaftlern die größte Bedrohung für das Leben und die Artenvielfalt im Mittelmeer. Da ist die Konsequenz, dass wir uns immer früher im Jahr vom kühlenden Effekt beim Schwimmen verabschieden müssen, nun wirklich ein Luxusproblem. Um diesen Text dennoch nicht ganz so trübsinnig zu beenden: Nehmen wir diese Entwicklung als Anlass, um das wunderbare Meer rund um diese Insel zu jeder Zeit im Jahr wertzuschätzen – und uns dafür stark zu machen, es zu schützen und zu bewahren.

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