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Meinung | Mein erstes Mal auf Mallorca

Integration auf Mallorca: Wie ein Tanzkurs in Inca alles veränderte

Es gibt auf Mallorca viele Dinge, die für Einheimische völlig normal sind. Für mich als Deutschen sind sie oft ein erstes Mal. Zum Beispiel der Moment, in dem man plötzlich in einem Saal in Inca steht – und versucht, mit Mallorquinern zu tanzen

Bei den Tanzabenden im Club „Gent d’Inca“ geht es immer fröhlich zu

Bei den Tanzabenden im Club „Gent d’Inca“ geht es immer fröhlich zu / Michael Wrobel

Wer Mallorca nur von Strand, Sonne und Sangria kennt, wird kaum vermuten, dass mein vielleicht wichtigster Mallorca-Moment in einem unscheinbaren Saal in einer Nebenstraße in Inca stattfand. Nicht am Meer. Nicht in Palma. Sondern bei einem Tanzabend im Club „Gent d’Inca“. Von außen wirkt der Ort eher unspektakulär. Kein glamouröses Ambiente, keine große Bühne. Drinnen aber öffnet sich eine andere Welt. Eine mallorquinische. Eine, in der Menschen zusammenkommen, tanzen, reden, lachen und sich begrüßen, als würden sie sich schon ewig kennen.

Wie ich dort als Deutscher gelandet bin?

Meine Frau und ich hatten von den Tanzkursen in dem Club gehört. Als wir uns schließlich für einen solchen Kurs anmelden wollten, saß hinter dem Tisch eine freundliche Mallorquinerin und nahm unsere Daten auf. Beim Notieren unserer Adresse sah sie plötzlich freudestrahlend auf. „¡Oye, si somos vecinos!“ – Hey, wir sind ja Nachbarn. Rückblickend war genau das der Beginn meiner wirklichen Integration auf Mallorca. Und das nach fünf Jahren auf der Insel. Denn aus dem kurzen Gespräch bei der Anmeldung wurde ein längeres. Aus Nachbarn wurden Bekannte. Und irgendwann Freunde.

Cati und ihr Mann Pep waren es schließlich auch, die uns in ihre mallorquinische Clique aufnahmen. Seitdem erlebe ich immer wieder Dinge, die für sie völlig selbstverständlich sind – für mich aber jedes Mal ein kleines erstes Mal. Der Abend im Gent d’Inca war eines dieser ersten Male. Ich war der Deutsche, der von seiner Frau mitgeschleppt worden war und keine Ahnung hatte, was ihn dort erwartete. Die Musik begann – und plötzlich setzte sich der ganze Saal in Bewegung.

Humorvolles Miteinander auf der Tanzfläche

Danza en línea. Reihen von Menschen bewegten sich synchron über die Tanzfläche. Ein Cha-Cha-Cha-Schritt nach rechts, einer nach links, Drehung, klatschen. Es sah leicht aus. Fast beiläufig. Nur ich hatte Mühe, mitzuhalten. Während um mich herum alle selbstverständlich über die Fläche glitten, kämpfte ich noch mit der Grundfrage, wohin eigentlich mein linker Fuß gehört. Aber genau das ist das Schöne an solchen Abenden auf Mallorca: Niemand macht daraus ein Problem. Es wird gelacht. Ja, auch über mich. Aber nie böse. Eher so, wie man über jemanden lacht, der gerade erst lernt, wie der Abend hier funktioniert.

Schwieriger war anfangs eher die Sprache. Im Alltag sprechen viele Mallorquiner untereinander Mallorquin – nicht Castellano. Für mich bedeutet das bis heute eine doppelte Herausforderung. Während ich noch versuche, das Spanische zu verstehen, läuft die Unterhaltung um mich herum längst auf Mallorquin weiter. Auch viele Anweisungen des Tanzlehrers kommen auf Mallorquin. Zum Glück gibt es immer jemanden, der mir hilft. Dann wird übersetzt, erklärt oder wiederholt – diesmal auf Castellano. So sind diese Tanzkurse für mich inzwischen nicht nur ein sportliches Experiment, sondern auch ein Sprachkurs. Eigentlich sogar zwei gleichzeitig. Ein bisschen Mallorquin. Ein bisschen Castellano. Und zwischendurch ein Tanzschritt, der meistens nicht ganz stimmt.

Inzwischen tanze ich dort regelmäßig. Und ich habe gelernt: Integration auf Mallorca beginnt manchmal genau so. Mit einer zufälligen Begegnung bei der Anmeldung zu einem Tanzkurs. Mit Nachbarn, die plötzlich Freunde werden. Und mit einer Tanzfläche, auf der man am Anfang ständig aus dem Takt gerät. Übrigens: Danza en línea blieb nicht mein einziges erstes Mal im „Gent d’Inca“. Inzwischen tanze ich dort auch Baile de salón – und sogar Sevillanas. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal.

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