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Meinung | Der ganz normale Wahnsinn

Tobias, der Grapscher, und die Schande vom Ballermann

Erst der sexuelle Übergriff eines Volltrunkenen, dann die Untätigkeit der Polizei. MZ-Autor Ingo Wohlfeil über die Straflosigkeit an Mallorcas Partymeile

Archivbild: Partygäste und Polizei in der Schinkenstraße.

Archivbild: Partygäste und Polizei in der Schinkenstraße. / Tobias Beck

Hallo Tobias aus Brandenburg. Ich hoffe, du hast richtig schlecht geschlafen nach den Dutzenden Kümmerlingen, die du dir am Samstag im Bamboleo reingepfiffen hast. Wahrscheinlich musstest du dir ordentlich Mut antrinken, bevor du anfingst, Frauen zu begrapschen und in die Brüste zu kneifen. Normalerweise solltest du eigentlich in der Zelle der hiesigen Polizeiwache aufwachen.

Das wäre der gangbare Umgang mit so Typen wie dir. Vielleicht würdest du sogar vor einen Untersuchungsrichter geführt werden, der über deinen weiteren Verbleib in Zelle und auf der Insel entscheiden würde. Du weißt es sicher nicht, aber Spanien hat das härteste Sexualstrafrecht der Welt. Eingeführt wurde es wegen der hartnäckigen spanischen Macho-Kultur und wegen Typen wie dir. Hier gilt: „Nur ja heißt ja“. Gar nicht erst zu fragen oder von hinten zu attackieren, heißt nein. Alles, was ohne ausdrückliche Zustimmung passiert, wird als sexuelle Aggression gewertet. 

Polizei kommt auch nach zwei Stunden Wartezeit nicht

Nur muss das Recht auch durchgesetzt werden. Wenn das nicht passiert, ist jedes Gesetz Makulatur. Als dein Opfer und Zeugen gestern am frühen Abend gemeinsam mit der Security die Polizei riefen, um dich anzuzeigen, musste die Frau warten. 30 Minuten, 60 Minuten, 90 Minuten. Schließlich zwei Stunden, in denen Du schön weitergesoffen hast.

Umringt warst du dabei von einem Freundeskreis in Trikots mit der Aufschrift „40! Saufen – Kotzen – Ficken“. Die Polizei kam nicht. Trotz mehrerer Anrufe. Und das an einem Ort, an dem eigentlich im Minutentakt Polizei patrouillieren sollte. Ein Ort bevölkert von Diebesbanden, Suff-Opfern, Drogen- und  Straßenhändlern. Zudem ein Dauer-Basar voller Plagiate. Es ist eigentlich kaum zu glauben, wie ignorant die Polizei mit der Schinkenstraße umgeht. Es gelingt ihr das Meisterstück, durch Unterlassung aus dieser Straße einen Raum ohne Recht und Ordnung zu machen.

Partygeschehen am Ballermann auf einem Archivbild. Nun soll auch eine Sicherheitsfirma für Ordnung sorgen.  | FOTO: DM

Partygeschehen am Ballermann auf einem Archivbild. / DM

Opfer postet mutmaßlichen Täter auf Instagram

Das ist- in diesem Fall - behördliche Opfer-Verhöhnung. Nach zwei Stunden des vergebenen Wartens auf Gesetzeshüter gab die Geschädigte auf. Sie ging auch nicht mehr auf die letzte funktionsfähige Polizeiwache an der Playa. Sie war mittlerweile vollumfänglich desillusioniert.

Stattdessen postete sie ein Foto des Täters auf Instagram. Inklusive Namen. Das ist nicht der rechtlich beste Weg, da sie sich nun selber angreifbar gemacht hat. Aber in ihrer Verzweiflung war das für sie die beste Lösung, um mit der Demütigung umzugehen.

Das Opfer vertraute auf die Polizei, die Null-Bock-Truppe vom Ballermann. Hatte der Bürgermeister nicht schon im vergangenen Jahr eine Polizei-Offensive an der Playa gegen Gewalt, Suff und asoziales Benehmen angekündigt? Du, Tobias, weiß jetzt auch, das ist Politikergeschwätz. Du torkeltest, gestützt auf Deine „Saufen – Kotzen – Ficken“ Freunde, ungeschoren ins Taxi.

Dass die Polizei auch schnell sein kann, bewies sie noch in der gleichen Nacht in der Schinkenstraße. Als gegen Mitternacht ein Drogenopfer eine Flasche Bier vor ein Polizeiauto warf, waren ruckzuck zehn Beamte in vier Streifenwagen auf der Partymeile, um den Verdächtigen festzunehmen. So werden hier die Prioritäten festgelegt. Es ist eine Schande, von der du, Tobias, wunderbar profitierst. Heute hast du wieder viele Grapschmöglichkeiten. 

Vielleicht hätte das Opfer die angebotene Alternative des Multikulti-Bamboleo-Sicherheitsteams wählen sollen: „Wir setzen Arschlochmensch vor die Tür“ (Zitat). So wie man die Bamboleo-Security kennt, wäre das sicher nicht ganz so sanft abgelaufen.

Anmerkung der Redaktion: Der Autor ist der ehemalige Lebensgefährte des Opfers.

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