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Meinung | Mein Mallorandum

Gier-Alarm zur Sonnenfinsternis auf Mallorca: 900 Euro für eine Minute Dunkelheit

Am 12. August wird es auf Mallorca mitten im Hochsommer stockdunkel. MZ-Kolumnist Mirko Perković wundert sich über die Insel zwischen kosmischem Wunder und Geschäftemacherei

Die weißen Referenzlinien bilden Parallelen zur Position der Sonne zum Zeitpunkt der totalen Sonnenfinsternis. Von den jeweiligen Punkten aus sieht man das Spektakel perfekt.

Die weißen Referenzlinien bilden Parallelen zur Position der Sonne zum Zeitpunkt der totalen Sonnenfinsternis. Von den jeweiligen Punkten aus sieht man das Spektakel perfekt. / Grafik: MZ/AMADO CARBONELL

Markieren Sie sich den 12. August. Hochsommer auf Mallorca sonst so: Sonnencreme, überfüllte Strände und schwitzen. Dieses Jahr aber: Zappenduster. Totale Sonnenfinsternis, direkt zum Sonnenuntergang überm Mittelmeer. Null Lichtverschmutzung. Ein kosmisches Wunder – zugleich: der perfekte Grund für die Menschheit, völlig den Verstand zu verlieren. Schon wieder.

Wissen Sie, wann in Spanien zuletzt komplett das Licht ausging? Am 11. August 1999. Auch ich im „Pott“ zog mit der Schule auf einen staubigen Bolzplatz, wacklige Pappbrille auf, in den Himmel starren – fertig. Aus. Mallorca lag damals beim Schatten-Glotzen im Abseits. 2005 gab es dann noch mal eine ringförmige Finsternis, aber so richtig, richtig dunkel wurde es nicht.

Verdunkelt die Sonnenfinsternis auf der Insel auch den Verstand?

Das jetzt ist die erste totale Finsternis über der Insel seit einem Jahrhundert. Die nächste folgt laut Berechnungen erst im Jahr 2666.  Logisch, dass Touri-Gurus bereits Logenplätze ausrufen: Puig de Randa für den Rundumblick, Kap Formentor, der Strand von Es Trenc oder die Klippen von Banyalbufar. 

Doch die Schlitzohrigkeit ist nicht weit, sie paart sich hemmungslos mit großer Gier. Massen werden erwartet. Hotelverbände warnen vor illegalen Apartments für 500 Euro die Nacht. Auf Wallapop werden schon Dorfhäuser aufm Festland verhökert, in Aranda de Duero vermietet man Wiesen zum Zelten (300 Euro). Ab Cambrils kostet eine Jacht-Tour schlappe 1.200 Euro. Und in Salou? Da vermietet jemand allen Ernstes seine 40-Quadratmeter-Dachterrasse. Für 900 Euro. Pro Stunde! Für etwas Beton und dafür, dass man den Kopf in den Nacken legt.

Ich betrete meinen Balkon. Eine IKEA-Sitzlounge, eine Plastikpalme, etwas Saharastaub auf dem Boden. Vielleicht sollte ich inserieren: „Astro-Erlebnis. Rustic Vibe. Nur 850 Euro.“ Aber nein. Ich werde ohne Businessgedanken zusehen, wie das Universum uns zeigt, wie unbedeutend wir doch sind. Es sei denn, jemand bietet mir 1.000 Euro. Dann reden wir. Würde sogar eine Lesung im „Pechschwarz-Premium-Package“ anbieten. Ein epischer, lyrischer Abend wird es: „Dunkel war’s, der Mond schien helle…“

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