Meinung
Muttertag in Spanien und Deutschland: Zwischen Pantoffeln und Mental Load
Ein Montagabend zwischen Herd, WhatsApp, Kindern und Gedankenkarussell: Warum der Muttertag auch Anlass sein sollte, über Mental Load und Wertschätzung zu sprechen, findet MZ-Kolumnistin Sophie Mono

Kopf voll, Akku leer: Kinder, Hausarbeit, Job - die kognitive und emotionale Dauerbelastung betrifft besonders Mütter. Was tun? Mehr echtes Teamwork - und Selbstfürsorge, erklärt eine Expertin. / Foto: Annette Riedl/dpa/dpa-tmn
Montagabend, 20.30 Uhr. Ich stehe am Herd. Wo meine Geschlechtsgenossinnen früher täglich Stunden verbracht und Gaumenschmäuse fabriziert haben, versuche ich, mal wieder, einen neuen Rekord aufzustellen. Nicht in puncto Gaumenschmaus. Schnell muss es gehen – und halbwegs gesund sein. Vorkochen für morgen. Sind Kichererbsen aus dem Glas gesund? Essen die Spanier doch ständig. Hm, rein in den Topf. Noch ein paar Möhren dazu schnippeln, passt schon.
Dingding. Neue WhatsApp. Was? Der Wissenschaftler, den ich morgen früh interviewen soll, will die Fragen vorab erhalten? Sofort? Äh, ja.
Geschrei aus dem Badezimmer. Haben die immer noch nicht die Zähne geputzt? Noch mehr Geschrei. Wohl nicht. “Leute, es geht gleich ins Bett. Hört ihr bitte auf zu streiten und macht euch fertig? Morgen ist Schule.”
Oh, Schule, da war doch was. Mein Großer muss doch noch das Diktat üben. Mit mir versteht sich. Irgendwann zwischen Fußballtraining, Wocheneinkauf und Kindergeburtstag. Apropos Geburtstag: Wir brauchen ja auch noch ein Geschenk für Klein-Alejandro. Und dann ist da noch die Einladung von Cian...
Dingding. Wieder eine WhatsApp. Die Mutter von Klein-Llucia fragt in der Kindergartengruppe, ob es in Ordnung ist, wenn der Joghurtbecher, den morgen alle zum Basteln mitbringen sollen, etwas größer ist als Standardmaß. Der Joghurtbecher. Verdammt. Da war ja was.
Wie soll man ständig tausend Dinge gleichzeitig erledigen?
Es blubbert. Mist. Ob vorgekochte Kichererbsen gesund sind, weiß ich immer noch nicht. Aber anbrennen können sie ganz offensichtlich.
Piep. Die Spülmaschine ist fertig. “Auaaaa”. Der Streit im Badezimmer eskaliert. Dingding. Der Wissenschaftler hat noch eine Nachfrage. Blubber. Mist, wieder angebrannt. Jetzt auch noch Küche putzen.
Drei Stunden später. Stille. Erschöpfung. Gedankenkarussell. Tief durchatmen. Wir sind doch hier in Spanien, wer ist da schon gestresst? Kleiner Scherz. Vermutlich jede Mutter. Apropos Mutter: Wie schön, dass wir den Muttertag gleich zweimal feiern konnten. Am ersten Maisonntag in Spanien, am zweiten Maisonntag in Deutschland. Klasse.
Ich habe ja immerhin zum Día de la Madre dieses Jahr Pantoffeln geschenkt bekommen. Wie nett. Da fühlt frau sich gleich wertgeschätzt in ihrer Mutterrolle. Gut, ein wenig Anpacken im Haushalt wäre auch nett. Also nicht nur zwei Mal im Jahr, sondern immer. Vor einigen Jahren kursierte bei einer Feminismus-Demo in Palma zum Valentinstag mal der Spruch “No quiero tus joyas, quiero tu respeto” (Ich will nicht deinen Schmuck, sondern deinen Respekt). Kann man den weiterspinnen? Und sogar wagen, Respekt statt Pantoffeln zu fordern?
Klar: Das schönste Muttertags-Geschenk sind die Kinder selbst. Ernst gemeint. Aber vielleicht könnte man nächstes Jahr ja mal die doppelte Muttertags-Chose nutzen: den spanischen für ein Geschenk – meinetwegen Pantoffeln – und den seutschen zur Reflexion. Darüber, wie schön Muttersein sein kann – und wie viel schöner es noch wäre, wenn man dazu auch mal gebührende Zeit bekäme. Ohne Piep, Dingding, Blubb und Mental Overload.
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