Meinung | Mein Mallorandum
Verliebt auf Mallorca? Warum das für Einheimische zum Albtraum wird
Die Insel lebt vom Urlaubstraum. Doch für viele, die ihn ermöglichen, ist die eigene Wohnung kaum noch bezahlbar. Ein Blick auf Mallorca von MZ-Kolumnist Mirko Perković

Durch das Programm "Sichere Miete" sollte die Wohnraum-Problematik entschärft werden. / Matias Chiofalo
Waren Sie mindestens einmal in Ihrem Leben auf Mallorca? Auch mal so richtig verliebt? Mit Schmetterlingen und zugleich Flugzeugen im Bauch? Und sogar vereint mit ihrem Schwarm? Wir sind ja alle erwachsen: Dann haben Sie auch „Liebe gemacht“, oder? Im Hotel? Nun, höchstwahrscheinlich hörten Ihre Zimmernachbarn Sie. Die Wände, sie sind halt dünn. Was für Sie eine Urlaubsepisode ist, ist für Hierlebende die Architektur einer sozialen Krise.
Nur jeder Sechste zwischen 16 und 29 wohnt eigenständig, 57 Prozent leben noch bei den Eltern. Der Auszug gelingt meist erst nach dem 30. Geburtstag. Und selbst dann lebt man selten allein: 82,4 Prozent wohnen mit Partner, Freunden oder Mitbewohnern. Die berühmte erste eigene Wohnung ist hier oft eher das erste ordentlich organisierte Provisorium. Man teilt sich nicht nur die Küche, sondern oft auch das Schweigen, wenn es nebenan zu laut wird.
Improvisation gehört zum Alltag
Wenn die Liebe ruft, aber alles „hellhörig“ ist, wird die Intimität zur logistischen Herausforderung. Also geht’s ins Auto, zum Strand, in versteckte Buchten. Nicht romantisch, aber notwendig. Liebe ist auf Mallorca kein Gefühl, sondern eine Frage des Hubraums. Oder der Gezeiten.
Wer die Insel nur als Sehnsuchtskulisse betrachtet, übersieht ihre Hauptdisziplin: Rechnen. In Palma liegen die Mieten inzwischen bei rund 19 Euro pro Quadratmeter. 60 Quadratmeter kosten rechnerisch 1.140 Euro. Die Herausforderung: Viele, die in Hotels, Bars, Geschäften oder an Rezeptionen arbeiten, verdienen 1.500 bis 1.700 Euro brutto. Wer den Touristen das Paradies bereitet, kann sich selbst oft kaum ein Zimmer darin leisten.
Trotzdem können die Menschen hier etwas: genießen. Melone am Meer. Abende auf der Plaza. Lachen – trotz allem. Vielleicht macht mich genau das so nachdenklich: dass diese Insel ihren Menschen immer mehr nimmt – und sie sich das Leben trotzdem nicht nehmen lassen.
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